“Design is not about beauty” | Das Erlebnis steht im Mittelpunkt

Dominic Schindler, Gründer von Schindler Creations
Dominic Schindler, Gründer von Schindler Creations | Bild: Dominic Schindler Creations GmbH

Mehr als 3.000 Projekte, unter anderem für Weltkonzerne wie VW und DMG Mori, wurden von Schindler Creations seit Gründung 2006 realisiert. Die Idee, die Unternehmensgründer Dominic Schindler verfolgt ist es, bei der Entwicklung industrieller Güter die User Experience in den Mittelpunkt zu stellen. Er selbst stammt aus einer Familie die Generationen von erfolgreichen Industriellen, Künstlern und Erfindern hervorgebracht hat.

Ist das Design eines B2B-Produkte überhaupt relevant oder kommt es nicht eher auf Funktionalität und Zuverlässigkeit an?

Dominic Schindler: Zu Beginn will ich festhalten, dass wir uns eben nicht in erster Linie um das äußere Bild, das Oberflächendesign von Produkten oder Investitionsgütern kümmern. 80 bis 90 % von dem, was wir bei Schindler Creations tun, verbergen sich unter der Oberfläche eines Industrieguts und nur zirka 10 % sind wirklich sichtbar. Der Fokus bei der Entwicklung von B2B-Produkten liegt also vielmehr auf der optimalen User Experience, welche sich am Ende eines Projektes im äußeren Bild, im Design, manifestiert.

Sie konzentrieren sich also auf den User und sein Erlebnis mit dem Produkt.

Schindler: So ist es. Früher ging es hauptsächlich darum, dass etwas gut und günstig funktionierte. Heute ist das anders. Hinter der Anforderung an ein B2B-Produkt oder eine Dienstleistung steckt der Wunsch es für den User besser und vor allem sicherer zu machen. Man orientiert sich sehr viel mehr an Emotionen. Wir entwickeln für unsere Partner Experience Design. Das beste Erlebnis ist das, bei dem man nicht weiß, dass man eines hatte. Wenn also nicht erkennbar ist wieviel Arbeit in der Erlebniskette steckt.

Das beste Erlebnis ist das, bei dem man nicht weiß, dass man eines hatte. 

Ist der Kunde bereit, einen höheren Preis für Ästhetik zu zahlen?

Schindler: Um Ästhetik geht es nicht. Wir, bei Schindler Creations, setzen uns zur Aufgabe die tägliche Arbeit des Users zu vereinfachen, sie weniger anstrengend zu machen und seine Erfahrung zu verbessern. Ob ein Kunde bereit ist für Ästhetik mehr zu zahlen? Wahrscheinlich nicht! Doch wenn er erkennt, dass das Produkt einfacher zu bedienen ist, ist er auch bereit mehr zu investieren. Davon bin ich überzeugt.

Ende der 90-er zum Beispiel, als Nokia noch führend in der Mobilfunkbranche war, bekam man ein Handy quasi umsonst. Kaum kam das iPhone auf den Markt, war vom CEO bis zur Reinigungskraft jeder bereit dafür 600 oder 700 Euro zu bezahlen. Aber warum? Wegen dem bahnbrechenden Design? Nicht in erster Linie. Sondern weil es den Tagesablauf einfacher und komfortabler gemacht hat. Und erst in zweiter Linie, wegen dem Design.

Worauf kommt es bei der Entwicklung von B2B-Produkten heute und in Zukunft an?

Schindler: Vernetzung und Digitalisierung spielen heute bereits eine entscheidende Rolle und dies gilt noch viel mehr für die Zukunft. Bei Schindler Creations unterstützen wir unsere Partner sehr stark mit dem Aufbau von Industrie 4.0 und der gesamtheitlichen Unternehmensökologie. Wir entwickeln Produkte und Dienstleistungen von Menschen für Menschen. Früher gab es lauter Insellösungen, die unabhängig voneinander funktionierten. Das Auto, der Computer, das Telefon, die Stereoanlage, die Leuchten usw. Tools der Industrie waren Roboter, Fräsmaschinen, Schleifmaschinen, Gabelstapler etc. und alle Maschinen wurden eigenständig behandelt. Mit Industrie 4.0 ist alles zusammengewachsen und am Ende geht es darum, ein Teil möglichst effizient und in optimaler Qualität zu produzieren.

Wer entscheidet Ihrer Erfahrung nach über das Design?

Schindler: Früher war das ganz klar Chefsache. Heute werden Entscheidungen oft viel agiler und kollaborativer getroffen als in der Vergangenheit.

Welche Trends zeichnen sich im B2B-Bereich ab?

Schindler: Design wird sich in Zukunft so weiterentwickelt, dass die Bedienung von Produkten noch viel einfacher und intuitiver funktioniert. An einer Maschine zum Beispiel werden dann nur noch die Funktionen und Bedienelemente angezeigt, die für den jeweiligen Arbeitsschritt sinnvoll sind. Alles was nicht gebraucht wird fällt weg, um nicht vom Bedienprozess abzulenken.


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