Mag. Norbert Jungreithmayr: Partnerschaft sei Dank

WFL MILLTURN Technologies ist führender Anbieter auf dem Gebiet der Komplettbearbeitung. Mag. Norbert Jungreithmayr ist als Geschäftsführer gemeinsam mit Kenneth Sundberg verantwortlich für diesen Erfolg. Beide setzen demnach aufs richtige Pferd – nicht nur durch den Zukauf des Unternehmens FRAI Elektromaschinenbau.

MM: WFL hat 2018 das Unternehmen FRAI Elektromaschinenbau GmbH erworben. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Mag. Norbert Jungreithmayr: Die Automatisierung von Werkzeugmaschinen und auch von unseren MILLTURNs ist ein Thema, das immer mehr in den Vordergrund rückt. Das ist unter anderem dadurch begründet, dass es einen steten Mangel an Facharbeitern gibt, die diese Maschinen bedienen können – und das vor allem in zweiter und dritter Schicht. In Folge dessen kamen auch wir als Unternehmen zum Zugzwang und daher ging unsere Überlegung in die Richtung, in diesem Bereich Kapazitäten aufzubauen – was wir schlussendlich auch gemacht haben, aber es ist schwierig, gute Fachkräfte in diesem Bereich zu finden. Es dauert alles seine Zeit.

MM: Und da kam die Gelegenheit, FRAI Elektromaschinenbau GmbH zu erwerben, zur richtigen Zeit?

Mag. Norbert Jungreithmayr, CEO WFL
Mag. Norbert Jungreithmayr, CEO WFL

Jungreithmayr: Das ist richtig. Mit dem Kauf konnten wir auf einen Schlag Kompetenz und Kapazität erwerben. Mit FRAI haben wir die perfekte Ergänzung zu unseren bestehenden Fertigungslösungen gefunden und sehen im Ausbau der Automatisierungskompetenz und individueller Automatisierungslösungen einen wesentlichen zukünftigen Erfolgsfaktor.

MM: Wie viele Mitarbeiter sind bei FRAI beschäftigt?

Jungreithmayr: Wir sprechen hier von etwa 35 Mitarbeitern, die mit der Automatisierung von Maschinen- bzw. Werkzeugmaschinen beschäftigt sind. Die Ausrichtung der Firma ergänzt unser Portfolio optimal.

MM: Bestand im Vorfeld bereits eine Zusammenarbeit?

Jungreithmayr: Ja und das bereits seit 15 Jahren. Wir haben bei diversen Kundenprojekten bewusst auf die Kompetenz von FRAI zurückgegriffen und kannten somit auch die hohen Qualitätsansprüche des Unternehmens und die Qualität der Produkte. Die Kaufentscheidung ging daher ohne Zögern recht schnell vonstatten.

MM: Herr Aitzetmüller ist noch Geschäftsführer des Unternehmens FRAI. Wann wird er seine Agenden übergeben?

Jungreithmayr: Herr Aitzetmüller übergibt Schritt für Schritt seine Aufgaben an uns, möchte aber selber dann auch demnächst in den Ruhestand gehen. Das bedeutet konkret, dass seine Geschäftsführertätigkeit mit diesem Jahr ausläuft und er dann noch insgesamt 18 Monate beratend zur Seite steht. Wichtig für ihn und auch uns ist es, dass die Produkte des Unternehmens auch künftig weiter entwickelt werden und es nicht bei einer reinen Übernahme des Unternehmens bleibt. Darüber hinaus ist es für die dortigen Mitarbeiter, die ein technisch sehr hohes Know-how aufweisen, entscheidend, nun über ihre gesicherte berufliche Zukunft informiert zu sein.

MM: Das Unternehmen ist jedoch in St. Konrad angesiedelt. Wird der Standort über kurz oder lang aufgegeben?

Jungreithmayr: Wir halten unbedingt am Standort St. Konrad fest, da nur dort die Kompetenz der Mitarbeiter vorhanden ist – und die möchten wir wie erwähnt auch halten. Der Standort selber ist sehr gut aufgestellt in Bezug auf Technik und Ressourcen, somit sehen wir also keine Notwendigkeit darin, etwas zu ändern.

MM: War die Akquise FRAIs der Beginn künftig weiterer geplanter Unternehmens-Übernahmen durch WFL?

Jungreithmayr: Wie bereits erwähnt, lag in diesem Fall eine besondere Voraussetzung vor. Dass unsere Strategie in Zukunft auf weiteren Übernahmen aufgebaut wird, steht derzeit nicht zur Debatte. Man kann jedoch nie ausschließen, dass es wieder einmal zu einem Kauf eines Unternehmens, sofern es inhaltlich passen würde, kommen kann.

MM: Berücksichtigt man allerdings das Thema Industrie 4.0, dann sind eine engere Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen oder eben Übernahmen nicht abwegig?

Jungreithmayr: Beim Thema Industrie 4.0/ Digitalisierung liegt es auf der Hand, Partnerschaften einzugehen, um sich auch wissenstechnisch intensiver austauschen zu können. Aber – wir sprechen hier eben von Partnerschaften, nicht von Übernahmen. Zudem müssen Sie auch bedenken, dass wir von unserer Unternehmensgröße her so aufgestellt sind, dass wir keine eigenen Standards setzen könnten. Das gelingt eher sehr großen Unternehmen. Aus unserer Sicht ist es daher besser, mit anderen Marktplayern Partnerschaften einzugehen.

MM: Derzeit werden erste Stimmen laut, die eine neue wirtschaftliche Krise herbeiahnen. Welche Erwartungen haben Sie für WFL 2019?

Jungreithmayr: Es ist ein typisches EMO-Jahr, wenn ich das so formulieren darf. Wir starten traditionsgemäß Ende März mit unserem Technologiemeeting in Linz, an das wir hohe Erwartungen haben. Es werden viele Highlights geboten, auch im Bereich Software, und natürlich erwarten wir auch wieder einen regen Zuspruch auf Besucherebene. Das alles stimmt uns durchaus zuversichtlich. Wir erwarten uns im Zuge der Veranstaltung auch zahlreiche Projekte zu generieren und Kundenlösungen anbieten zu können, die etwa auch für bestehende Kunden Neuland sind, aber dennoch auf Interesse stoßen – etwa mit der M30 MILLTURN und der Automatisierungszelle und wir möchten natürlich auch neue Kunden ansprechen.

WFL Technologiemeeting
26. bis 28. März 2019
im Headquarter von WFL Millturn Technologies in Linz

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MM: Dennoch gibt es eben erste Anzeichen, die auf einen neuen konjunkturellen Knick hinweisen.

Jungreithmayr: Es ist durchaus der Fall, dass es erste Anzeichen bezogen auf volkswirtschaftlichen Parametern gibt. Im momentanen Ist-Zustand ist eine Abschwächung für die Bereiche, die WFL betreffen, glücklicherweise noch nicht eingetroffen. Daher gehe ich davon aus, dass wir das laufende Jahr auf dem sehr hohen und guten Niveau weiter halten können, aber wir gehen nicht davon aus, große Zuwächse verzeichnen zu können. Die EMO ist hier im Herbst sicher auch ein guter Maßstab für weitere Prognosen.

Kenneth Sundberg, Managing Director After Market Sales
Kenneth Sundberg, Managing Director After Market Sales, WFL

Kenneth Sundberg: Wenn ich hier etwas ergänzen dürfte. Ich bin gerade aus den USA zurückgekommen und stelle fest, dass die Märkte durchaus sehr unterschiedlich reagieren. Der Optimismus dort ist im Vergleich zur europäischen Einstellung deutlich besser. In Europa ist es aber auch der Fall, dass vor allem in der Automobilindustrie wirtschaftliche Abschwächungen festzustellen sind. Dieser Bereich betrifft uns weniger.

MM: Sie kommen wie erwähnt gerade aus den USA zurück. Waren Sie geschäftlich vor Ort?

Sundberg: Wir als WFL haben mit Partnern – gemeinsam – in Portland (Westküste USA) im Oregon Manufacturing Innovation Center ein Kundenevent durchgeführt. Im OMIC selber werden Forschung und Entwicklung betrieben. Darüber hinaus wurde jetzt zum ersten Mal das erwähnte Kundenevent ausgeführt – mit Erfolg.

MM: Wer waren die Besucher?

Sundberg: Die Besucher waren Kunden aus dem Umfeld Oregons, aber auch aus anderen US-Bundesstaaten. Das Event dauerte zwei Tage und war auf einen ganz speziellen kleinen
Kundenkreis fokussiert und sehr spezifisch ausgerichtet.

MM: Wann wird die nächste Veranstaltung sein?

Sundberg: Da sind wir derzeit noch in internen Beratungen. Mein persönliches Ziel wäre eine jährliche Veranstaltung zu gestalten.

Jungreithmayr: Man muss in diesem Zusammenhang auch erwähnen, dass das OMIC ja erst 2017 neu gegründet wurde. Wir sind als WFL seit der Gründung Mitglied und hinsichtlich dieser Ausrichtung mit unseren Partnern auch Vorreiter.

MM: Herr Sundberg – Sie sind seit Ende 2017 bei WFL als Geschäftsführer für den Bereich After Market Sales und Kundendienst zuständig. Welche Ziele verfolgen Sie?

Sundberg: Als mir zum damaligen Zeitpunkt das Angebot unterbreitet wurde, die Bereiche Service, Afters Sales und Kundendienst zu leiten und diese sukzessive auszubauen, war ich zuvor bereits seit 35 Jahren bei Sandvik Coromant und kann meine Erfahrungen von damals nun hier gezielt einbringen. Der Ruf des Unternehmens WFL ist – auch international – auf einem sehr hohen Niveau. Wir sind Benchmark – etwa wenn es um Service geht. Meine Aufgabe ist es, mit zusätzlichen Produkten und Dienstleistungen das Angebot zu erweitern, denn unser Ziel bei WFL ist es grundsätzlich, unsere Kunden auch nachdem sie eine WFL-Maschine gekauft haben intensiv im Aftersales- und Servicebereich zu unterstützen – und zwar für die gesamte Lebensdauer der Maschine. Unsere MILLTURN-Maschinen haben grundsätzlich sehr viele Anwendungsmöglichkeiten und unsere Kompetenz in der Fertigungstechnik ist sehr hoch. In diesem Bereich können wir dem
Kunden helfen, die erworbenen Maschinen optimal zu nutzen.

MM: Steigen die Ansprüche der Kunden?

Sundberg: Die Erwartungen sind in jedem Fall gestiegen, aber auch die Anforderungen an die Fertigung werden immer größer. Die Fachkompetenz am Markt befindet sich allerdings auf einem eher absteigenden Ast – und genau hier setzen wir an. Wie? Mit unseren Kompetenzen und Ressourcen.

Jungreithmayr: Vor Ort haben wir als Unternehmen grundsätzlich eine hohe Ausbildungsquote und das ist auch gleichzeitig eine wichtige Säule des Unternehmens.

MM: WFL hat um die 450 Mitarbeiter. Wie viele Mitarbeiter sind in Ihrer Abteilung?

Sundberg: Wir sind etwa 70 Mitarbeiter in Linz und weitere 15 in den verschiedenen Niederlassungen. Wir betreuen wie erwähnt verschiedene Bereiche, ein ganz neuer/ wichtiger ist der des Manufacturing Solutions. Mit diesem Thema sind derzeit zehn Mitarbeiter beschäftigt. Wir bieten unseren Kunden individuelle und schnelle Unterstützung bei der Optimierung ihres Produktionsablaufes an. Unser Ziel ist es, mit einer perfekten Produktionslösung und in enger Zusammenarbeit mit unseren Kunden stets die bestmöglichen Ergebnisse zu realisieren. Unser Angebot, das wir den Kunden anbieten, greift zu 100 %.

MM: Weshalb?

Sundberg: Kunden benötigen generell unseren Support um auch in ihren Anwendungen stetig besser zu werden. Damit meine ich auch Bereiche wie Digitalisierung und Kosteneinsparungen sowie Effizienz. Der wesentliche Unterschied zwischen WFL und anderen Unternehmen ist, dass wir uns auf Projekte unserer Kunden fokussieren und keine Maschine der anderen gleicht. Wir sind von Beginn an auf die Individualität des Kunden fokussiert. Daher besteht dann auch ein sehr enges Verhältnis.

Jungreithmayr: Unser Ziel war es immer schon, nicht nur die Werkzeugmaschine zu liefern, sondern eine Fertigungslösung für den Kunden anzubieten. Immer dann, wenn der Kunde ein Problem hat, sind wir Ansprechpartner und finden gemeinsam eine Lösung – das ist unser Anspruch.

MM: Was wird weiters angeboten?

Sundberg: Die WFL-spezifische Werkzeuglösung ist ein wichtiger Hebel, um unsere Maschinen und Prozesse zu optimieren. Daher bieten wir eine gezielte Werkzeugentwicklung an: WFL Tooling Solutions. Diese sind speziell für die Zerspanung schwieriger Bearbeitungsbereiche entwickelt und aufgearbeitet, um eine effiziente Produktionssteigerung zu versprechen. Auf dem Technologiemeeting werden wir hier interessante Highlights demonstrieren.