EMO – Eine starke Marke

Christoph Miller, Managing Director EMO Hannover

Christoph Miller, Leiter Messen beim VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) war dieses Jahr wieder einmal auf EMO-Tour – so auch in Wien. In einem exklusiven persönlichen Interview mit dem MaschinenMarkt Österreich sprach er über die hohen Erwartungen, die an die Messe gestellt werden, über die Bedeutung der Start-ups im Rahmen der EMO und vor allem auch darüber, dass die Nachfrage nach Additive Manufacturing-Lösungen 2019 endlich befriedigt werden kann.

MM: In wenigen Wochen ist es soweit und die EMO 2019 wird ihre Pforten öffnen. Wie schaut der Anmeldestand bei den Ausstellern aus?

Christoph Miller: Wir verzeichnen für die diesjährige EMO in Hannover rund 2.200 Aussteller. Damit sind wir mehr als zufrieden. Und getreu unserem Motto „smart technologies driving tomorrows production!“ werden wir bzw. die Aussteller Spannendes zu präsentieren haben.

MM: Das bedeutet, das Thema Industrie 4.0 ist nach wie vor Kernthema – auch auf einer EMO?

Miller: Inzwischen ist es ja so, dass der ehemals eher nebulöse Begriff „Industrie 4.0“ schon viel greifbarer ist und jeder damit etwas anfangen kann. Warum? Inzwischen fanden Konkretisierungen statt und Lösungen sind auf den Markt gekommen, die umsetzbar sind. Diese führen zu mehr Effektivität und einer höheren Produktivität und somit sieht man auch das erste Ergebnis dieser industriellen Bewegung – nicht nur in Hannover.

MM: Inwiefern werden die Besucher diese Ergebnisse zu sehen bekommen?

Miller: Wir haben in diesem Zusammenhang für die EMO Hannover 2019 wieder verschiedene Bereiche aufgesetzt, die sich mit den verschiedenen Lösungen auseinandersetzen. Zum einen spreche ich hier von der Sonderschau Industrie 4.0, dann von unserem parallelen Forumsprogramm, das sehr umfangreich ist. Zudem wird auch das Thema Additive Manufacturing im Fokus stehen.

MM: Letzteres hat sich gerade in der jüngsten Vergangenheit zu einem wichtigen Thema gemausert. Stimmen Sie dem zu?

Miller: Vor allem bei der letzten EMO Hannover wurde hier ein wahnsinniges Interesse hervorgerufen von Seiten der Besucher. Damals konnten wir dieses Interesse leider nur teilweise befriedigen und holen 2019 aber definitiv auf. Firmen wie SLM, Trumpf, Stratasys, Renishaw und viele mehr, die nicht nur metallische 3D-Druck Lösungen anbieten, sind als Individualaussteller dabei.

Daneben haben wir eben den Additive Manufacturing Circle für die Messe entwickelt, wo auch kleinere Firmen ihre Lösungen und Kompetenz anbieten können. Hier werden wir sicher das große Interesse nach dieser Technologie befriedigen und die EMO Hannover rückt gleichzeitig den Paradigmenwechsel in der Industrieproduktion in den Fokus.

MM: Weshalb?

Miller: Es ist doch so: Wesentliche Nachteile dieser Technik wurden inzwischen beiseite geräumt oder verbessert bzw. die Vorteile überwiegen mittlerweile einfach – auch von Materialienseite her. Daher gilt Additive Manufacturing eher als ergänzende und nicht ersetzende Produktionsmöglichkeit im Produktionsprozess. Das macht durchaus Sinn. Und auf einer EMO Hannover können Sie eben beide Seiten, die altherkömmliche und die neue der Produktion, miteinander bestens verknüpfen.

MM: Was schätzen Sie: Werden sich auch die Besucherzahlen entsprechend positiv verändern?

Miller: Das weiß man jetzt natürlich noch nicht, aber wir schaffen hier ein Interesse auf dem Markt für diese neuen Techniken und daher gehen wir von Interesse auch aus, was die Besucher betrifft. Aber: Erst zum Schluss zählen wir zusammen.

MM: Dennoch darf man die Frage stellen, ob Spezialmessen im Bereich Additive Manufacturing nicht stärker das Interesse bei den Besuchern hervorrufen und auf einer EMO das Thema vielleicht „verloren“ geht?

Miller: Natürlich sind alle Spezialmessen für uns eine gewisse Konkurrenz, denn das, was eine EMO Hannover bietet, ist eher ein großes Warenhaus an Lösungen. Dennoch, wenn Sie die gesamtheitliche Produktion in ihren gesamtheitlichen Lösungen präsentiert haben möchten, dann bieten wir mit der EMO sicherlich eine optimale Plattform.

MM: Ein anderes Thema: Die Auftragseingänge gehen seit einiger Zeit zurück. Sind das Ihrer Meinung nach erste Anzeichen einer neuen wirtschaftlichen Krise und wird sich dies auch auf die EMO im September auswirken?

Miller: Wir haben nicht das Gefühl, dass sich das auf die EMO selbst auswirkt. Das können wir allein an den steigenden Quadratmeter- und Ausstellerzahlen grob festmachen. Aber, vergessen Sie bitte nicht, dass wir von einem sehr hohen Niveau ausgehen und hier natürlich dann die wirtschaftliche Abschwächung relativ sein werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt haben die Firmen auch genügend Freiraum, sich über Zukunftsprojekte oder Investitionen Gedanken zu machen. Die Auslastungen der Unternehmen lagen ja bei 93 Prozent. Alle Produktionen liefen auf Hochtouren. Daher ist die jetzige Beruhigung noch nicht besorgniserregend. Ich würde daher noch nicht von einem Abschwung reden, sondern eher von der Stabilisierung eines hohen Niveaus.

MM: Sie meinen, es handelt sich um eine ganz normale Entwicklung?

Miller: Jedem ist klar, dass nach diesen absoluten Hochzeiten endlich eine Beruhigung eintreten wird. Natürlich schauen wir aber mit Sorge auf die weltpolitische Lage und die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China. Wir beobachten das sehr genau. Aber richten wir doch den Fokus auch auf Länder wie Indien und Indonesien, diese sind stark im Kommen und bieten neue wirtschaftliche Zukunftsmärkte.

MM: Sie meinen, die Verlagerung von Wirtschaftsmärkten steht an?

Miller: Wir als Werkzeug- und Maschinenindustrie haben es in den vergangenen Jahren immer wieder geschafft, wirtschaftliche Herausforderungen zu meistern, beispielsweise die Russlandkrise und die Wirtschaftssanktionen gegen unseren einstmals drittgrößten Markt, und das Geschäft in anderen Märkten zu stärken und gut aus dieser Situation herauszukommen.

Sie wissen selbst, wie schnelllebig die heutige Zeit ist und daher müssen wir natürlich fokussiert die Marktentwicklungen beobachten und bei Bremsspuren woanders Gas geben, aber die Strecke nicht verlassen.

MM: Sprechen Sie dann auch von Indien? Hier wurde bereits vor einigen Jahren der Fokus hin verlagert und die Enttäuschungen waren zunächst groß, jedenfalls bei den meisten.

Miller: Das mag zwar richtig sein, aber Indien ist kein einfacher Markt. Indien wird über kurz oder lang aber der bevölkerungsreichste (demokratische) Staat der Welt sein. Auch wenn es länger dauert als angenommen, wird Indien sicher einen wirtschaftlichen Aufschwung erleben und sich als Zukunftsmarkt auch für unsere Unternehmen stark etablieren. Wir sagen das schon seit längerer Zeit. Es sind keine Anzeichen vorhanden, dass es nicht passieren wird.

Die Ausgangslage ist anders als im Iran. Hier hat jeder geglaubt, dass Investitionen möglich sind und sich etwas bewegt und man hat sich darauf entsprechend schnell vorbereitet. Dann kam von heute auf morgen der Stopp durch die Sanktionen. So schätzen wir Indien überhaupt nicht ein. Hier wird sich das Potenzial ergeben und ausgeschöpft werden können.

MM: Schwenken wir kurz zur AMB Iran – diese ist dennoch nicht vom Markt genommen worden…

Miller: …sondern hat ein Jahr ausgesetzt. Das stimmt. Hier werden wir sehen, wie die Messe und Lage sich weiter entwickeln werden. Bei der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung im Iran gibt es eben wenig Chancen. Momentan macht es weder für uns noch für die Aussteller Sinn, dort eine Messe abzuhalten.

MM: Das bedeutet, Sie fokussieren sich auf Indien?

Miller: Indien gehört zu den Besucher-starken Ländern einer EMO Hannover. Was wir ebenfalls merken, ist der Zuwachs aus asiatischen Ländern allgemein – von Ausstellern und Besuchern aus betrachtet, vor allem auch aus China.

MM: Werden diese Zuwächse aus China eher mit Besorgnis oder Freude vernommen?

Miller: Natürlich gibt es die eine oder andere Firma, die sich weniger Konkurrenz aus China wünschen würde, aber in einer globalen Welt ist das nun einmal eine ganz normale Entwicklung und gehört einfach dazu.

Es kommen im umgekehrten Fall ja auch viele deutsche Firmen nach China und wollen dort am Markt ebenfalls erfolgreich investieren. Man kann in China sehr gut Geschäfte machen und: Konkurrenz belebt ja auch das Geschäft. Zudem ist China einer der Topmärkte für unsere Industrie.

Grundsätzlich muss man einfach einmal sagen, dass es nicht funktionieren wird, dass wir einerseits den chinesischen Markt beliefern und auf der anderen Seite den Chinesen den Zugang zu unserem Markt verwehren. Das ist keine Einbahnstraße, wir sprechen von Handel und gehört zur Marktwirtschaft einfach dazu. Viele chinesische Investitionen sichern ja auch das Überleben unserer Firmen. Angst ist hier definitiv der falsche Weg.

MM: Sagen wir, die Rollenverteilung ändert sich.

Miller: Das mag sein. Und auch die Deutsche Messe sieht es positiv, dass sich vor allem China so stark entwickelt.

MM: Abschließend möchte ich noch kurz von Ihnen wissen: Ist und bleibt die EMO Hannover auch künftig bei all den konkurrierenden Veranstaltungen im In- und Ausland DIE etablierte Marke, die sie inzwischen geworden ist?

Miller: Die EMO Hannover wird ihrem Ruf als Weltleitmesse sehr gut gerecht, dafür geben wir aber eben auch alles. Jeder kennt die EMO, der bzw. die in diesem industriellen Bereich tätig ist. In den letzten Jahren haben wir es meiner Ansicht nach auch gut gemeistert, die Marke stark zu platzieren.

Sehen Sie, auch Österreich ist eine wichtige Ausstellernation für der EMO Hannover, und mit 36 Ausstellern ist das ein klares Zeichen für die Größe des Landes. Es werden ja auch relativ große Flächen von diesen Ausstellern belegt, denn die österreichische Werkzeugmaschinenindustrie ist eine qualitativ hochwertige und sehr interessante.

Auch Besucher aus Österreich kommen sehr gerne nach Hannover und haben die EMO als Fixtermin bei sich eingetragen. Bei der zurückliegenden Veranstaltung hatten wir allein aus dem Nachbarland mehr als 2.400 Besucher auf der EMO zu verzeichnen.

MM: Das heißt auch, die EMO Hannover wird sich weiterentwickeln und darüber hinaus noch bekannter werden.

Miller: Ja, denn wir haben etwa den Entwicklungen der Zeit geschuldet auch das Thema Start-ups in die kommende EMO Hannover integriert und den Bereich gezielt vergrößert und gestärkt. Hier ist sehr großes Interesse bei den Besuchern vorhanden, auch über das Thema Industrie 4.0 heraus betrachtet.

Daher wurde dieser Bereich gezielt gestärkt für die Messe. Hier liegen auch viele Neuerungen vor, und Investitionsmöglichkeiten sind vorhanden. Joint Ventures werden in Betracht gezogen und vor allem, Startups haben einen Vorteil: sie sind agiler und flexibler. Wir geben ihnen den Raum auf der EMO Hannover, den wir als angemessen in Betracht ziehen. Die Deutsche Messe hat hier schon auf der HMI eine sehr gute Umsetzung gezeigt. Schlussendlich sind wir es, die auf diesem Weg auch die Investoren zu den Startups bringen und für eine positive Entwicklung der Branche mit sorgen.