“Bisher undenkbar.”

B&R hat als erster Hersteller eine vollständige Vision-Lösung in sein Automatisierungssystem integriert. Im Interview berichtet Produktmanager Andreas Waldl, wie sprachlos viele Maschinenbauer sind, wenn er ihnen die Vorteile der neuen Lösung erläutert.

„Was wir tun, ist in der Welt der industriellen Bildverarbeitung völlig neu", sagt Andreas Waldl, B&R-Produktmanager.
„Was wir tun, ist in der Welt der industriellen Bildverarbeitung völlig neu”, sagt Andreas Waldl, B&R-Produktmanager.

Wie herkömmliche Fertigungen zu Smart Factories werden, zeigt B&R auf der Hannover Messe (Halle 9, Stand D26), denn eine effiziente Produktion in höchster Qualität bis hin zu Losgröße 1, sichere Zusammenarbeit von Mensch und Maschine sowie eine übersichtliche Darstellung aller Maschinendaten in der Cloud lassen sich mit dem Produktportfolio von B&R umsetzen. >> weiterlesen

Herr Waldl, wie reagieren Ihre Kunden, wenn Sie Ihnen das Vision-System von B&R präsentieren?

Andreas Waldl: Die erste Reaktion würde ich als verhaltene Neugier beschreiben. Die Kunden sehen einen Vorteil darin, dass sie ein System weniger in ihrer Applikation haben. Schließlich kommen Steuerungstechnik, Antriebstechnik, Safety und Vision dann aus einer Hand. Das erspart ihnen Arbeit und Ressourcen.

Das klingt doch nach handfesten Vorteilen. Wieso sprechen Sie dann von verhaltener Neugier?

Waldl: Weil die Kunden nur in den gewohnten Bahnen denken. Häufig wollen sie gleich ganz konkret über die Hardwarekomponenten und deren technische Daten reden – dann bremse ich immer und lasse mir erstmal Anwendungsfälle schildern. Wenn ich ihnen dann erkläre, wie sie unsere Vision-Lösung in diesem Fall einsetzen können, blicke ich oft in ungläubige Gesichter.

Wieso das?

Waldl: Was wir tun, ist in der Welt der industriellen Bildverarbeitung völlig neu. Viele Leute können sich im ersten Moment gar nicht vorstellen, was mit einer vollständig integrierten Vision-Lösung möglich ist. Erst im Lauf des Gespräches wird vielen klar, was für ein bedeutender Schritt das ist.

Was kann die Vision-Lösung von B&R denn nun, was sie so besonders macht?

Waldl: Durch die vollständige Integration sind wir extrem synchron. Wir können Licht und Kameraeinzug im Sub-Mikrosekundenbereich synchronisieren. Licht, Kamera, Antriebe, Steuerung – alles hängt in einem Netzwerk und wird aus derselben Applikation heraus gesteuert. Das bedeutet natürlich auch, dass synchronisierte Regelschleifen möglich und
umfangreiche Diagnosedaten jederzeit in Echtzeit verfügbar sind. Wir sind durch die Integration sogar so schnell, dass unsere Standard-Hardware in vielen Anwendungen hochspezialisierte High-Speed-Kameras ersetzen kann.

Man könnte also sagen, dass B&R High-Speed-Kameras anbietet?

Waldl: Wir haben keine High-Speed-Kamera – und für die wenigsten Anwendungen brauchen unsere Kunden solche Spezialkameras. Das Geheimnis liegt ausschließlich in der Integration. Unser System ist hochsynchron und unsere LEDs weisen eine hohe Intensität auf. So können wir mit kurzen Blitzimpulsen auch extrem schnelle Bewegungen zu einem
ganz exakten Zeitpunkt einfrieren, scharf abbilden und mit hochwertigen Algorithmen auch gleich auswerten. Es spielt keine Rolle, ob die kamerainternen LEDs oder externe Beleuchtungskomponenten eingesetzt werden.

Bitte geben Sie uns ein Beispiel, wo eine B&R-Kamera für High-Speed-Applikationen eingesetzt wird.

Waldl: Die extrem kurzen Belichtungszeiten führen so weit, dass ein B&R-Kunde aus der Lebensmittelbranche in der Entwicklung nun seine sündhaft teuren High-Speed-Kameras ausmustert und auf unsere Vision-Lösung setzen wird; zu einem Bruchteil der Kosten. Dieser Anwendungsfall entstand übrigens auch aus einem der bereits erwähnten Gespräche. Der Kunde war erst etwas skeptisch. Dann wurde ihm klar, dass er die bisherigen Beschränkungen von Vision-Systemen außer Acht lassen kann. Er kann sich einfach darauf konzentrieren, einen optimalen Maschinenprozess zu entwickeln. Durch die Integration in das Automatisierungssystem sind Vision-Systeme nun kein Hemmnis mehr, sondern eröffnen Möglichkeiten bei der Entwicklung von Maschinen, die bisher undenkbar waren.