Nicht irgendein Schmierstoff

Gerade in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie müssen Schmierstoffe sicher für den Verbraucher sein und die gleiche Leistungsfähigkeit wie konventionelle Schmierstoffe vorweisen können. Doch welche Anforderungen die hier eingesetzten Produkte erfüllen müssen, beantworteten Experten von Klüber Lubrication Austria in einem Gespräch.

MM: In der Lebensmittelindustrie gelten strenge Normen und Verordnungen. Kleinste Verunreinigungen können einem Produzenten teuer zu stehen kommen. Was bedeutet das für den Schmierstoff, der auch in der Lebensmittelproduktion unverzichtbar ist?

Klüber Lubrication Austria: Für den Produzenten in der Lebensmittelindustrie bedeutet das, dass er H1-Schmier-stoffe verwenden muss, wenn es aus technischen Gründen zu einem unbeabsichtigten Kontakt mit dem Lebensmittel kommen kann. Das betrifft auch den Produzenten von Fut-termitteln. H1-Schmierstoffe sind lebensmittelrechtlich einwandfrei, gesundheitlich unbedenklich sowie geschmacks- und geruchsneutral. Sie dürfen keinen Lebensraum für Mikroorganismen bieten und es muss gewährleistet sein, dass keine Schmierstoffdämpfe entstehen und keine Geruchs-, Farb- oder Geschmacksstoffe auf die Lebensmittel übertragen werden können. Der Schmierstoffproduzent lässt seine Produkte bei der NSF oder InS H1-zertifizieren und darf bei der Herstellung nur ausgewählte Inhaltsstoffe einsetzen, die den Anforderungen der US Food and Drug Administration (FDA) entsprechen.

Klüber Lubrication achtet zusätzlich auch bei der Herstellung auf besondere Hygieneanforderungen. Als eines der ersten Unternehmen in Europa und als erstes in Nord-amerika wurden wir schon vor einigen Jahren nach ISO 21469 zertifiziert. Das heißt, dass die Hygieneanforderungen über den gesamten Lebenszyklus eines H1-Schmierstoffes wie Rezeptur, Herstellung, Abfüllung, Lagerung, Verpackung und Gebrauch festgelegt sind.

MM: Wie lässt sich ein Risiko vermeiden?

Klüber: Um das Risiko zu verringern, einen falschen Schmierstoff zu verwenden, raten wir unseren Kunden in der Lebensmittelindustrie, ausschließlich H1-zugelassene Schmierstoffe zu verwenden. Das wirkt sich zusätzlich positiv auf das HAC-CP-Konzept eines Unternehmens aus, das jeden Schritt im Herstellungsprozess, der zu einer Kontamination der Lebens-mittel führen könnte, identifiziert, überwacht und dokumentiert. Die Lagerkosten werden dadurch ebenfalls reduziert.

MM: Sind H1-zugelassene Schmierstoffe denn gleich leis-tungsstark, wie ein herkömmlicher Schmierstoff?

Klüber: Ja, H1-Schmierstoffe sind genauso leistungsstark und können je nach Anwendung sogar noch besser sein. Es ist ein Irrglaube, dass H1-Schmierstoffe weniger leistungsstark sind. Sie bieten teilweise sogar einen höheren Verschleißschutz, die Ölwechselintervalle können drei- bis fünfmal so lang sein und durch geringere Reibung können Energiekosten gespart werden – je nach Anwendung.

MM: Sind diese speziellen H1-Schmierstoffe teurer als andere?

Klüber: Es ist richtig, dass H1-Schmierstoffe etwas teurer sind. Dies resultiert aber aus den zu verwendenden Rohstoffen, dem Herstellungsverfahren und den Hygiene-Anforderungen. Man muss hier die Richtlinien, die wir bei der Herstellung erfüllen müssen, und die Inhaltsstoffe, die zur Verwendung erlaubt sind, bedenken. Es steht hier nur eine geringere Auswahl zulässiger Rohstoffe zur Verfügung. Zusätzlich fallen Kosten für die Zertifizierung, Registrierung und Audits an.

MM: Und was ist der Grund für die derzeit vorherrschende Verunsicherung von Kundenseite? Man hört immer wieder von den Begriffen MOSH & MOAH – was steckt dahinter?

Klüber: Einige Berichte über kontaminierte Lebensmittel mit Mineralöl, zunehmende Kontrollen und Prüfungen führen immer wieder zu Nachfragen von Kunden. Dabei geht es um die Kontamination mit gesättigten Mineralöl-Kohlenwasserstoffen (MOSH) sowie mit aromatischen Mineralöl-Kohlenwasserstoffen (MOAH). Der Grund für die Kontamination von Lebensmittel liegt aber sehr oft nicht am verwendeten Schmierstoff. Zum Beispiel kann es durch recyceltes Verpackungsmaterial, das aus wiederverwertetem, bedrucktem Zeitungspapier besteht, zu einer Kontamination kommen. Doch zurück zum Schmierstoff. Wie schon erwähnt, H1-registrierte Schmierstoffe dürfen nur unbeabsichtigt und damit gelegentlich mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Der maximale Grenzwert ist mit 10 mg Schmierstoff/kg Lebensmittel von der US-Behörde FDA festgelegt. Bei sachgemäßer Produktion ist daher davon auszugehen, dass kein Schmierstoff in das produzierte Lebensmittel gelangt. Damit wird auch eine Kontamination durch MOSH/MOAH aufgrund des verwendeten Schmierstoffes ausgeschlossen. Darüber hinaus folgt Klüber Lubrication den Empfehlungen der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit – EFSA -, die vom Ausschuss für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM) vorgelegt werden.

Unsere Risikoabschätzung für Schmierstoffe, die rezepturbedingt MOSH/MOAH enthalten, hat bei Berechnung selbst für den direkten Lebensmittelkontakt ergeben, dass die diskutierten Grenzwerte des deutschen Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft von 2 mg MOSH bzw. 0,5 mg MOAH pro kg Lebensmittel sowie der von der US-Behörde FDA vorgeschriebene max. Wert von 10 ppm Schmierstoff pro kg Lebensmittel nicht zu einer Überschreitung mit den genannten Kohlenwasserstoffverbindungen im so kontami-nierten Lebensmittel führt. Angesichts der vielen Unsicherheiten bezüglich der MOSH/MOAH – Kontamination raten wir zur Risikobewertung durch unsere Spezialisten direkt vor Ort.

MM: Was zeichnet das Unternehmen Klüber Lubrication aus?

Klüber: Wir sind Spezialisten in zahlreichen Einzeldisziplinen. Für jedes Anliegen innerhalb jeder Branche gibt es passgenaue Lösungen aus unserem sehr breiten Sortiment. Häufig entwickeln wir zusammen mit unseren Kunden auch spezielle Produktlösungen. Zusätzlich beraten wir unsere Kunden sehr intensiv.

Gerade beim Thema MOSH/MOAH prüfen wir mit unseren Kunden genau die benötigte Schmierstoffmenge je nach Anlage und Anwendung. Die Schmierstoffmenge wird auf das benötigte Minimum reduziert. Diese Beratung und Verbrauchsoptimierung – KlüberMaintain – ist Teil unseres KlüberEffiencySupport Serviceprogrammes. Im Zuge von KlüberMaintain erstellen wir mit dem Kunden einen lückenlosen Betriebsschmierplan und optimieren die Schmierungsabläufe. Auch die Kennzeichnung und sichere Aufbewahrung des Schmierstoffes sowie der Schmierstelle gehören zu diesem Programm.


Warning: A non-numeric value encountered in /is/htdocs/wp13258196_523RO7947X/www/technik-medien/htdocs/wp-content/themes/Newspaper/includes/wp_booster/td_block.php on line 392