Im Gespräch MM Maschinenmarkt

“Unverzichtbar ist der persönliche Austausch!”

zur Übersicht
„Die etablierten Fachmessen sehe ich auch in Zukunft als reale Präsenzmessen gesetzt." - Bettina Schall

Bettina Schall ist Geschäftsführerin von P. E. Schall GmbH & Co. KG und somit Veranstalterin der Control, die heuer zum zweiten Mal virtuell ausgetragen wird – und zwar vom 4. bis 7. Mai. Im Interview mit Stephanie Englert berichtet sie von den Herausforderungen, aber auch ihrem Optimismus, dass es wieder zu Präsenzveranstaltungen kommen wird – ja, kommen muss!

MM: Seit 1987 findet die Control jährlich statt. Jetzt gibt Corona den Rhythmus vor. Beunruhigt Sie das?

Bettina Schall: Frau Englert, Beunruhigung wäre noch das Geringste, was diese Pandemielage verursacht hat. Eher ist fast nichts mehr so, wie es war. Corona gibt nicht nur den Rhythmus bei der Control vor. In fast allen Bereichen des persönlichen Lebens, der Gesellschaft, der Kultur, der Arbeit und im Business hat sich sehr viel verändert. Wir alle waren unsere bislang gefestigten Abläufe, Gewohnheiten und Veranstaltungen gewohnt. Und dann hat uns Corona mitten in voller Fahrt ausgebremst. Für die Control, die anerkannte Weltleitmesse im Bereich Qualitätssicherung, bedeutet das nun schon das zweite Jahr in Folge den Verzicht auf die Präsenzveranstaltung. Das ist zweifellos ein harter Schlag für unsere Aussteller und Fachbesucher sowie für uns als Messeveranstalter. Aber wir müssen damit umgehen, wir müssen das Bestmögliche aus der Lage machen – und das tun wir auch.

MM: War es für Messen und deren Veranstalter denn nicht längstens an der Zeit, virtuelle Angebote auszutragen bzw. anzubieten?

Schall: Es ist offenbar immer so, dass Krisen zumindest Chancen für Neues eröffnen. Bisher gab es keine Notwendigkeit des virtuellen Kommunikations- und Fachaustauschs im Bereich industrieller Fachmessen. Vielmehr sind sowohl Aussteller als auch Anwender in unseren Branchen darauf angewiesen, im persönlichen Gespräch aktuell anstehende Prozesslösungen und Aufgaben zu diskutieren. Denn in unseren Branchen geht es nicht um Katalogware, sondern um Maschinen und Anlagen, also produktions- bis systemrelevante Investitionen. Hierfür ist der persönliche Austausch unverzichtbar, in dem die Partner Vertrauen zueinander aufbauen. Aber nun hat die Pandemie es erforderlich gemacht, neue Wege des Fachaustauschs zu finden, damit Anbieter und Anwender in engem Kontakt bleiben und ihre Technologien und Produktionsstätten weiterentwickeln können. Hierfür sind die virtuellen Formate zumindest vorübergehend ein Ersatz, und manche sehe ich auch für die Zukunft als nützliche und hilfreiche Ergänzungen.

MM: Wie erfolgreich ist die Control virtuell?

Schall: Diese virtuelle Plattform hat sich gut etabliert und wird von den Anbietern und Anwendern gerne genutzt, weil sie den Fachaustausch aufrechterhält. Wir als Messeveranstalter haben sofort nach der Absage der Control 2020 den virtuellen Marktplatz Control-Virtuell gelauncht. Über die dort platzierten digitalen Showrooms bleiben Aussteller, Fachbesucher und Interessenten rund um das Thema industrielle Qualitätssicherung durchgängig in Verbindung. Unsere Aussteller zeigen hier dem weltweiten Fachpublikum strukturiert und rund um die Uhr ihre neuen Produkte und Lösungen.

Die Besucher bzw. User finden über die Produktgruppensuche und Produktklassensuche sofort alle Anbieter und erhalten einen Angebotsüberblick sowie Alternativen. Beim Start der Suche bekommt der User die Möglichkeit, eine individuelle Fragestellung abzusenden – an Adressaten seiner Wahl oder aber an alle relevanten Anbieter. So schafft die Control-Virtuell eine Übersicht über neue Produkte und Lösungen und ermöglicht außerdem den zielgerichteten Austausch zwischen Anbieter und Anwender.

MM: Wenn Sie jetzt an 2022 und mögliche Präsenzveranstaltungen denken, sind 2020/21 und die digitalen Formate der Messen für Sie als Veranstalter zusammengefasst doch nur „Notlösungen“ gewesen oder Alternativen?

Schall: Wie gesagt, die virtuellen Tools sind nützlich und hilfreich auf allen Seiten, denn der Fachaustausch bleibt hierüber bestehen. Doch ganz klar und vielfach hat sich in den vergangenen Monaten gezeigt, dass der persönliche Kontakt, das Gespräch auf Augenhöhe unerlässlich ist. Das Leben – auch nicht das Geschäftsleben – funktioniert nicht virtuell, sondern in der Realität. Und so sehnen tatsächlich alle die Präsenzmessen herbei und nutzen bis dahin, so gut es eben geht, die virtuellen Formate.

MM: Werden sich Ihrer Ansicht nach generell auch inhaltlich die Messen verändern? Was sind Resonanzen der Aussteller?

Schall: Die etablierten Fachmessen sehe ich auch in Zukunft als reale Präsenzmessen gesetzt. Die Ereignisse 2020 haben der Wirtschaft ganz deutlich gezeigt, dass alle Beteiligten den persönlichen Fachaustausch unbedingt benötigen. So äußern sich auch viele Aussteller, die darauf warten, sich endlich wieder real ihren Kunden präsentieren zu können. Digital und virtuell ist gut und wichtig – ersetzt aber nicht das Gespräch und die persönliche Begegnung, wenn es um die Erörterung von komplexen, konkreten Produktionslösungen geht. Wir müssen die Produkte sehen, erleben, anfassen können. Insofern hat uns die Pandemie gezeigt, dass wir unsere digitalen Tools nutzbringend und sinnvoll einsetzen müssen, aber auf die Präsenzmesse nicht verzichten wollen und können. Daraus werden künftig eher hybride Veranstaltungsformate entstehen – zum Beispiel reale Ausstellungen begleitet von digitalen bzw. virtuellen Modulen.

MM: Wie ergeht es Messeveranstaltern generell derzeit? Fühlen Sie sich ausreichend informiert und unterstützt?

Schall: Es ist kein Geheimnis, dass diese Pandemie für alle Dienstleister rund um Messen, also Messeveranstalter, Messebauer, Hotel- und Gastbetriebe sowie den Catering- und Restaurantbetreiber, eine ernsthafte existenzielle Bedrohung ist. Jeder Unternehmer muss sich hier selbst informieren und darum kümmern, dass sowohl die Mitarbeiter gesund und geschützt bleiben und die Geschäfte weitergeführt werden können. Wir als rein privater Messeveranstalter sind froh, die Kurzarbeit in Anspruch nehmen zu können, aber darüber hinaus müssen wir unseren Betrieb selbst tragen. Von Seiten der Bundes-, Landes- und Kommunal-Behörden wünschen wir uns mehr Klarheit in den Ansagen und vor allem konsequentes Umsetzen beschlossener Maßnahmen. Sonst gibt es wegen des Zuständigkeits-Wirrwarrs am Ende für niemanden Planungssicherheit.

MM: Was wünschen Sie sich für 2022 und die Control?

Schall: Ich hoffe sehr, dass die nächsten Monate von durchgängigen Impfaktivitäten geprägt werden und eine echte Entspannung der Pandemielage bringen. Denn wir müssen zurückkehren zum Business und zum realen, sozialen Leben. Ich wünsche mir, dass wir die Lektionen, die uns diese Katastrophe in manchen Aspekten gelehrt hat, beherzigen und künftig anwenden – in allen Lebensbereichen. Und für die Control – natürlich für alle Schall-Messen – wünsche ich mir, dass sie als Präsenzmesse stattfinden wird und daran anknüpft, wie wir 2019 verblieben sind: als Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung auf Weltleitmesse-Niveau, und damit global einen der wichtigsten Marketing-Bausteine für viele Unternehmen.

Obwohl die 34. Control – Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung – pandemiebedingt nicht wie geplant als Präsenzveranstaltung vom 4. bis 7. Mai 2021 stattfinden kann, bleiben Aussteller, Fachbesucher und Interessenten rund um das Thema industrielle Qualitätssicherung über digitale Showrooms in engem Austausch und durchgängiger Verbindung. Neue Produkte und Lösungen aus den Bereichen Mess- und Prüftechnik sowie Visionstechnologie, Bildverarbeitung, Sensortechnik und Dienstleistungen stehen weltweit an allen Tagen des Jahres 24 Stunden lang strukturiert auf der Control virtuell bereit. Die nächste Control als Präsenzveranstaltung findet vom 3. bis 6. Mai 2022 statt. vom 3. bis 6. Mai 2022 statt.
Obwohl die 34. Control – Internationale Fachmesse für Qualitätssicherung – pandemiebedingt nicht wie geplant als Präsenzveranstaltung vom 4. bis 7. Mai 2021 stattfinden kann, bleiben Aussteller, Fachbesucher und Interessenten rund um das Thema industrielle Qualitätssicherung über digitale  Showrooms in engem Austausch und durchgängiger Verbindung. Neue Produkte und Lösungen aus den Bereichen Mess- und Prüftechnik sowie Visionstechnologie, Bildverarbeitung, Sensortechnik und Dienstleistungen stehen weltweit an allen Tagen des Jahres 24 Stunden lang strukturiert auf der Control virtuell bereit. Die nächste Control als Präsenzveranstaltung findet vom 3. bis 6. Mai 2022 statt.

 

Verwandte Artikel