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Die Macht des Wollens

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Das Smartphone ist eines der wichtigsten technischen Mittel, um an dem Digitalisierungsschritt in den afrikanischen Ländern mit teilzuhaben. | Photo by Meghan Schiereck on Unsplash

Dass mobile Anwendungen und der Umgang mit dem Internet in den afrikanischen Ländern sehr wohl weit fortgeschritten sind, vermuten zu wenige. Auf dem ersten digitalen AfricaCom- und AfricaTech-Festival Ende November 2020 verdeutlichten Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen dies einmal mehr. Der Kontinent Afrika prescht digital vor.

Von Stephanie Englert

Alain Ebobissé, CEO Africa50, brachte es auf den Punkt: „Afrika braucht dringend einen Ausbau der regionalen und auch digitalen Infrastruktur, um in der afrikanischen Freihandelszone grenzüberschreitend optimal agieren zu können.“ Am AfricaTech-Festival sprach er als Keynote Speaker über genau diese „Bedeutung von Investitionen in die digitale Infrastruktur auf dem afrikanischen Kontinent, um das wirtschaftliche Wachstum voranzutreiben“. Und viele Kollegen teilen seine Ansicht und seinen Appell. Denn obwohl es auf den ersten Blick so ausschaut, als ob nur ein Bruchteil der afrikanischen Bevölkerung Zugang zum Internet habe, muss dies bei insgesamt 55 Ländern differenzierter betrachtet werden.

Investitionen werden getätigt.

GTAI (German Trade und Invest) meldete Anfang Februar, dass „für ein regionales Digitalisierungsvorhaben im südlichen Afrika und in Ostafrika bei der Weltbankgruppe ein Kredit und ein Zuschuss in Höhe von jeweils 125 Mio. US-Dollar beantragt wurde.“ Das Ziel des Projekts sei den Angaben zufolge der Ausbau der Reichweite von Breitbandnetzen, um dadurch die digitale Wirtschaft zu fördern. Doch auch im Westen Afrikas entwickeln sich seit Jahren einige Länder wie etwa Nigeria zu einer wirtschaftlich und digital repräsentativen Nation. Trotz ersichtlicher Armut auf der einen Seite weist das Land am Golf von Guinea auf der anderen Seite eine hohe Internet- und Mobilfunkpenetrationsrate laut GTAI auf: Demnach heißt es, dass im 1. Halbjahr 2020 nach Angaben der Nigeria Communication Commission (ICC) 143 Millionen Einwohner über einen Internetzugang verfügten, das sind etwa 60 Prozent der Bevölkerung. Im Jahr 2019 gab es 184 Millionen Mobilfunkanschlüsse, was einer Telekommunikationsdichte von 96 Prozent entspricht.

Mit der kürzlich verabschiedeten National Digital Economy Policy and Strategy (2020-2030) verfolgt die Regierung Nigerias den Angaben nach hochgesteckte Ziele. Die digitale Roadmap wird dabei auf acht Säulen gestützt, die die digitale Wirtschaftsentwicklung beschleunigen sollen. Dazu gehört die Schaffung eines regulatorischen Rahmens des IKT- und Digitalsektors sowie die Bereitstellung einer sicheren und zuverlässigen Infrastruktur. Darüber hinaus sollen entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten für den Erwerb digitaler Kompetenzen geschaffen und Unternehmen, die im Bereich neuer Technologien tätig sind, besonders gefördert werden. Denn Afrika hat einiges vor.

Ein Name fällt beim Thema Digitalisierung in Westafrika ebenfalls ins Auge: Dr. Ayotunde Coker, Managing Director von Rack Center, einem Betreiber von Datenzentren in Nigeria. Coker weiß was er vorhat und weißt eine 30-jährige internationale Karriere vor sowie eine Listung bei „the worlds most influential data economy leaders“ im Data Economy Magazine in UK. Das Rack Center wurde 2012 gegründet und vermeldete Anfang Februar weitreihende Expansionspläne. Coker: „Wir sind stolz auf Qualität und Maßstab, beides Kriterien, die wir in der Region Westafrika erarbeitet haben, um de facto DAS digitale Datenzentrum für Westafrika zu sein.“

Wirtschafts-Freihandelszone.

Bei 54 (bzw. 55) Staaten und knapp 1,2 Mrd. Menschen gilt der afrikanische Kontinent als Wachstumsregion. Und um auch künftig beim Thema Warenwirtschaft noch flexibler agieren zu können, wurde die Panafrikanische Freihandelszone (AfCFTA) jetzt gegründet. Zu Beginn 2021 gab AfCFTA-Generalsekretär Wamkele Mene hierzu der FAZ ein Interview, in dem er sagte: „Es wird viele Jahre dauern, bis die Vereinbarungen über Handelserleichterungen, Transitregeln und die Zollzusammenarbeit konsequent umgesetzt sind. Das ist nicht in sechs Monaten oder einem Jahr zu schaffen. Wir haben die Harmonisierung der Zollverfahren, der Handelserleichterungen und des Transits erreicht. (…) Die Digitalisierung von Zollverfahren ist absolut nötig, aber es gibt Länder mit durchlässigen Grenzen oder Grenzen in sehr abgelegenen Gegenden. Auch dies wird einige Zeit in Anspruch nehmen, selbst wenn digitale Plattformen eingeführt werden.“ Dennoch sei der Schritt zur Digitalisierung ein wichtiges Muss im Gesamtkomplex.

Das Mobiltelefon spielt auf dem afrikanischen Kontinent als Kommunikations- und Informations- sowie Zahlungsmittel eine entscheidende Rolle. Letzteres ist inzwischen unumgänglich. Laut britischem Marktforschungsinstitut Ovum hatten 2016 etwa 300 Mio. Afrikaner ein Smartphone. Die Nutzeranzahl hat sich bis Ende 2019 auf 600 Mio. verdoppelt. Ende 2021 wird laut Studie mit einer Zahl von 900 Mio. bis 1 Mrd. Nutzern gerechnet.

Firmen investieren.

Auf dem AfricaCom- und Tech-Festival im November war nicht zu übersehen, wer zu den bekanntesten Ausstellern gehörte, die sich allesamt vom sehr großen Potenzial des afrikanischen Marktes viel erhoffen. Microsoft, Huawei, Ericsson, AWS, IBM, Oracle, Orange – um nur einen Bruchteil der Namen zu nennen, die an vier vollbepackten Event-Tagen digital bei Vorträgen und in Foren vertreten waren – sind präsent vor Ort vertreten. Neben der ITK-branche darf man auch die Notwendigkeit von IoT und 5G nicht vergessen.

Google kann entsprechend schon einen großen Coup vorweisen. Das Unternehmen eröffnete 2019 in der ghanaischen Hauptstadt Accra an der Westküste sein erstes afrikanisches AI-Forschungszentrum. Profitieren von dieser Technik könnte nicht nur die Landwirtschaft in Afrika. Moustapha Cisse ist dortiger Research Scientist und Head of Google AI Center und weist eine sehr umfangreiche Expertise vor. Abgesehen von seinem Studium der Mathematik und Physik erlangte er weiters einen PhD in Machine Learning und arbeitete bereits bei Facebook. Im Google AI Center kann er sein Wissen nun in vollem Umfang einsetzen und Accra zu einem bedeutenden digitalen Hotspot Afrikas mitentwickeln.

Festzuhalten ist: Afrikas Länder haben enormes unterschätztes Potenzial. Wer auf Netzwerken aus ist, muss nicht unbedingt immer nur die WKO aufsuchen. Eine Teilnahme am kommenden AfricaCom- und Tech-Event vom 8. bis 12. November 2021 lohnt sich ebenfalls, dann voraussichtlich wieder persönlich in Kapstadt. Davor, vom 11. bis 12. Mai 2021 findet virtuell das East AfricaCom statt.

>> Video: Africa Tech Festival November 2020

und auch spannend

>>Video: Google eröffnet das erste AI Forschungszentrum in Africa

 

 

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