Im Gespräch MM Maschinenmarkt

Almedin Candic: “Schwingungen sind so eine Sache.”

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Almedin Candic, Elesa+Ganter spricht über Schwingungsdämpfer und drei weitere Normteile zur Schwingungsdämpfung mit Stephanie Englert.

Ing. Almedin Candic gehört zum Vertriebsteam von Elesa+Ganter und ist seit 2019 Gebietsleiter für Ost Österreich. Zum derzeit aktuellen Thema Schwingungsdämpfer stand er für ein Interview mit Chefredakeurin Stephanie Englert zur Verfügung, denn Elesa+Ganter hat seit Ende des Jahres drei weitere Normteile zur Schwingungsdämpfung im Portfolio.

MM: Schwingungsdämpfung macht dann Sinn, wenn mechanische Schwingungen auftreten. Die Bewegungsenergie wird umgewandelt. Welche Schwingungsdämpfungs-Lösungen bietet Elesa+Ganter neu im Produktsortiment an und durch was zeichnen diese sich besonders aus?
Ing. Almedin Candic: Ehrlicherweise ist es mit Schwingungen so eine Sache – manchmal sind Schwingungen erwünscht (mit einem Augenzwinkern gemeint), sehr oft jedoch sind sie ein ungewollter Nebeneffekt. Sie können einen negativen Effekt auf die Funktionsweise von Maschinen und Anlagen haben und dadurch die Lebensdauer verkürzen, umliegende Infrastruktur beschädigen (Wände, Böden etc.) oder gar keinen guten Einfluss auf die Gesundheit des Anwenders/Bedieners haben (Lärm/Vibrationen). Auch sehr sensible Geräte müssen vor passiven Vibrationen und Schocks ausreichend geschützt sein. Elesa+Ganter hat bereits seit Langem ein sehr breit aufgestelltes Angebot an Gummipuffern/Schwingungsdämpfern – begonnen hat alles mit Stellfüßen mit Schwingungsdämpfer im Sortiment, ganz klassische Gummipuffer sind gefolgt, bis hin zu etwas spezielleren Produktlösungen, wie beispielsweise die DVG-Gummipuffer für die Wand- oder Deckmontage, oder die DVE-Gummipuffer mit Flansch, die vor allem in der Fördertechnik verwendet werden. Seit Ende des Jahres haben wir nun drei weitere Normteile zur Schwingungsdämpfung in unser Portfolio mit aufgenommen:

  • AVC – Schwingungsdämpfer mit Spiralwicklung
  • AVM – Schwingungsdämpfer mit Feder
  • AVG – Gummipuffer mit Flansch (doppelwirkend – Kompression/Traktion)

MM: Was war der Grund?
Ing. Almedin Candic: Grund dafür sind sich ändernde Marktanforderungen und an uns herangetragene Kundenwünsche. Bei der Weiterentwicklung unseres Produktportfolios sind Gespräche mit unseren Kunden besonders wichtig – unser vorrangiges Ziel ist es sie bestmöglich und unkompliziert in ihrer Arbeit zu unterstützen und die passenden Produktlösungen anbieten zu können. Die AVC-Schwingungsdämpfer mit Spiralwicklung sind komplett aus Edelstahl, nicht magnetisch, und zeichnen sich durch besonders hohe Temperatur- und Korrosionsbeständigkeit aus. Sie sind daher für den Einsatz in besonders aggressiven Umgebungen geeignet. Die Schwingungsdämpfer können an allen drei Achsen angebracht werden (Boden, Wand, Decke) und können so hohe statische Belastung und Scherkräfte aufnehmen. Somit können beispielsweise auch Ungleichgewichte in der Belastung einer Maschine sicher ausgeglichen werden (Kompression/Traktion).

MM: Was zeichnet sie besonders aus?
Ing. Almedin Candic: Die polierte Oberfläche unterstreicht die hohe Qualität des Produkts. Die Vielzahl an Ausführungen sowie die kurzen Lieferzeiten der Produkte machen es einmal mehr zu einem attraktiven Produkt für unsere Kunden. Die AVMSchwingungsdämpfer mit Feder bestehen aus einer rechteckigen Grundplatte mit Gummiummantelung und einer Feder mit einer Kappe an beiden Enden, die über eine Gewindedurchgangsbohrung verfügen. Sie werden etwa zur Isolation von Schwingungen in der Kompression verwendet. Die Feder ist aus Stahl verzinkt – für Anwendungen unter 5 °C bieten wir eine Sonderausführung mit einer Feder aus Edelstahl an. Die AVM Schwingungsdämpfer mit Feder zeichnen sich durch eine geringe Resonanzfrequenz aus und kommen überall da zum Einsatz, wo klassische Gummipuffer zu starr wären, um Vibrationen abzufangen. Die Federn sind nicht mit extremen Gewichten zu belasten.

MM: Und: Aller guten Dinge sind drei heißt es ja.
Ing. Almedin Candic: Richtig. Die AVG-Gummipuffer mit Flansch sind die dritte Produktneuheit. Der Gummipuffer ist doppelwirkend (Kompression/Traktion) und kann so ein Ungleichgewicht gut ausgleichen. Ähnlich, wie der GN 148 Maschinenfuß mit Schwingungsdämpfung, verfügt auch der AVG-Gummipuffer über eine Abreißsicherung. Somit ist der Gummipuffer vor Zerstörung durch Abreißen, bei einer Überbelastung durch Zug geschützt. Ein weiterer Vorteil dieses Gummipuffers ist der Flanschkörper aus Aluminium, der sich durch hohe Korrosionsbeständigkeit und ein weitaus geringeres Gewicht, im Vergleich zu Produkten aus Stahl, auszeichnet.

MM: Für welche Einsätze oder Branchen sind Schwingungsdämpfer von Elesa+Ganter generell gedacht?
Ing. Almedin Candic: Grundsätzlich finden die Schwingungsdämpfer in fast allen Industrien Anwendung. Ausschlaggebend für welchen man sich hier entscheidet sind u.a.:

  • der gewünschte Härtegrad des Dämpfers u.v.m.
  • die Art der Schwingung (permanent, punktuell auftretend, Erschütterungen etc.)
  • Montagemöglichkeiten (Boden, Wand, Decke)
  • Gewicht des Geräts/der Maschine

Zudem wird unterschieden zwischen: AVC-Schwingungsdämpfer mit Spiral-Wicklung. Deren Anwendungsgebiete sind Klimaanlagen, Pumpen, Klär- und Entsalzungsanlagen, Eisenbahn-, Schiffs- und Militärindustrie. Geeignet sind sie für Anwendungen, bei denen Stöße und Erschütterungen möglich sind. Eine hohe statische Einfederung, niedrige Resonanzfrequenz, hohe Isolation sind Kennzeichen. AVM-Schwingungsdämpfer mit Feder haben teilweise andere Anwendungsgebiete: Klimaanlagen, Kühlanlagen, Zentrifugen, Zerkleinerer, Generatoren etc. Eine Belastung mit niedrigerem Gewicht ist als AVC möglich und eine hohe statische Einfederung, niedrige Resonanzfrequenz, hohe Isolation sind Kennzeichen Die AVG-Gummipuffer mit Flansch-Anwendungsgebieten sind geeignet für Pressen zur Formung von Kunststoffmaterialien, Stoßdämpfern, Spezialmaschinen, Klimaanlagen, Generatoren, Verdampfungsanlagen.

MM: Haben Sie Erfahrungen bei Kunden gemacht, dass oftmals auf den Einsatz von Schwingungsdämpfern lieber verzichtet wird, etwa aufgrund von falschen Sparmaßnahmen?
Ing. Almedin Candic: Nein, das haben wir eigentlich nicht. Bei der Dämpfung von Schwingungen geht es nicht nur darum einen Prozess „ruhiger“ laufen zu lassen. Wie schon eingangs erwähnt erfüllen Schwingungsdämpfer zahlreiche Aufgaben. Ständige Belastung von Maschinen/Geräten mit Schwingungen kann die Lebensdauer einer Maschine massiv beeinflussen – erhöhte Kosten in der Instandhaltung, Stehzeiten im Falle einer Reparatur, all das verursacht Mehrkosten. Unerwünschte Vibrationen können aber nicht nur die Maschine selbst schädigen, sondern auch das Umfeld/umliegende Infrastruktur wie Wände, Böden – und nicht zuletzt auch gesundheitliche Probleme für den Bediener der Maschinen bedeuten. Eine gute Beratung ist hier wichtig – die korrekte Dämpfung muss nicht teuer sein. Wichtig ist die Fragen zu beantworten, welcher Isolierungsgrad ist für mich sinnvoll, welche Belastung/Kräfte wirken auf den Schwingungsdämpfer (punktuelle oder ständige Vibration; Gewicht der Maschine etc.).

MM: Wie hoch ist die „Lebenszeit“ eines Schwingungsdämpfers aus Ihrem Haus?
Ing. Almedin Candic: Bei AVC sind es „Minimum“ zehn Jahre, das hängt stark von der Anwendung ab (Innen- oder Außenanwendung) und sollte regelmäßig kontrolliert werden; bei AVM gilt dies ebenfalls – in etwa zehn Jahre beträgt die durchschnittliche Lebenszeit. Wird der AVM zudem Kontakt mit Salzwasser verwendet, sind regelmäßige Kontrollen unerlässlich! Bei AVG rechnen wir mit einer Lebenszeit von fünf bis sieben Jahren und auch hier sind regelmäßige Kontrollen notwendig.

MM: Am Beispiel der Getränke- und Lebensmittelindustrie: Welche Merkmale müssen in dieser hygienisch herausfordernden Branche Produkte von Ihnen generell aufweisen, um eingesetzt werden zu können?
Ing. Almedin Candic: In diesen Bereichen muss nicht nur das verwendete Material von Normteilen besondere Merkmale aufweisen – wie beispielsweise höchste Korrosionsbeständigkeit, leichte Reinigung – auch dem Design und der Verarbeitung der Produkte muss spezielles Augenmerk geschenkt werden.

MM: Was bietet Elesa+Ganter hierzu an?
Ing. Almedin Candic: Im Produktangebot von Elesa+Ganter befinden sich zahlreiche dieser High Performance-Produkte. So etwa unsere Normteile im Hygienic Design aus Edelstahl nichtrostend (1.4404); diese können durch ihre spezifischen Eigenschaften den Produktionsprozess in diesen sensiblen Bereichen unterstützen. Sie zeichnen sich aus durch hohe Oberflächengüte, Totraumfreiheit, nichtschöpfende Außenflächen und gedichtete Anschraubbereiche. Ein auf FEMBerechnungen basierendes Dichtungskonzept sorgt für zuverlässige Flächenpressung nach der Montage. Dadurch werden Ablagerungen von Schmutz etc. verhindert und der Reinigungsprozess reduziert und vereinfacht. Ein anderes Beispiel dafür sind unsere VD&MD-Produkte. Die VD (Visually Detectable)-Produkte sind aus Thermoplast („Signalblau“ RAL 5005, Material für Kontakt mit Lebensmittel geeignet) mit Einsätzen aus Edelstahl. Durch die spezielle Farbe sind Verunreinigungen mit dem freien Auge leicht erkennbar.MD (Metal Detectable)-Produkte sind Normteile aus Thermoplast („Grünblau, RAL 5001, Material für Kontakt mit Lebensmittel geeignet) mit Edelstahl-Einsätzen. Spezielle Zusätze im Kunststoff ermöglichen die Detektierbarkeit von Partikeln ab einer Größe von 5 mm mittels Metalldetektor. VD- und MD-Produkte werden FDA-konform produziert und garantieren so eine hohe Lebensmittelsicherheit.

MM: Stellen Sie im Bereich der Lebensmittel- und Getränkebranche auch eine erhöhte Nachfrage in den zurückliegenden Jahren fest?
Ing. Almedin Candic:
In der Lebensmittelindustrie, der Medizintechnik sowie der pharmazeutischen Industrie spielen Produktsicherheit, Verbraucherschutz und rechtliche Aspekte eine zunehmend wichtigere Rolle. Und ja, eine steigende Nachfrage im Bereich der Hygienic Design-Produkte stellen wir aufgrund dessen fest.

MM: Abschließend: Was erwarten Sie sich für 2021 auch in Hinblick darauf, dass es zu weiteren Verschiebungen von Messen und anderen Veranstaltungen kommen wird?
Ing. Almedin Candic: Wir hoffen, dass spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2021 Messen und Veranstaltungen wieder geregelt möglich sein werden. Schön wäre, wenn auch schon die Smart im Mai 2021 stattfindet. Denn: Der direkte Kontakt mit unseren Kunden ist uns sehr wichtig. Auch wenn wir das Glück der modernen Medien haben, können diese ein persönliches Gespräch nicht ersetzen.

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