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Smart Cities | … im smartesten Gebäude Deutschlands

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Das neue Gebäude am Standort Bad Pyrmont zeichnet sich durch eine moderne und offene Architektur aus und gilt als eine der smartesten in Deutschland.

Wir befinden uns im wahrscheinlich smartesten Gebäude Deutschlands.“ Mit diesen Worten begrüßte Phoenix Contact seine Besucher im vor gut einem Jahr eröffneten und nach 18-monatiger Bauzeit fertiggestellten neuen Firmen-Gebäude der Phoenix Contact Electronics, in Bad Pyrmont (Deutschland). Es handelt sich um ein Demonstrationsobjekt, das den Einsatz von Automatisierung und smarter Technik veranschaulicht.

„Themen rund um Smart Cities entwickeln sich stetig weiter, nicht nur durch die Anwender selber", so Jörg Nolte (r.), Vice President Vertical Market Management Infrastructure und Factory Automation. Im Bild mit Dipl.-Ing. Joachim Pucker (li.), Head of Industry Management für Water/Wastemanagement und Smart Cities. | Bild: Phoenix Contact
„Themen rund um Smart Cities entwickeln sich stetig weiter, nicht nur durch die Anwender selber”, so Jörg Nolte (r.), Vice President Vertical Market Management Infrastructure und Factory Automation. Im Bild mit Dipl.-Ing. Joachim Pucker (li.), Head of Industry Management für Water/Wastemanagement und Smart Cities. | Bild: Phoenix Contact

Letzteres war auch Thema eines ausführlichen Gespräches mit dem Vice President Vertical Market Management Infrastructure und Factory Automation, Jörg Nolte, und Dipl.-Ing. Joachim Pucker, Head of Industry Management für Water/ Wastemanagement und Smart Cities.

Beide Experten unterstützen ihre Kunden dabei, den Weg zur Smart City gemeinsam anzugehen. Phoenix Contact hat eine klare Vorstellung davon, wie das funktionieren kann und definiert im Vorfeld dazu zwei so genannte Integrationsstufen. Die erste Stufe bildet dabei Prozesse ab, die zwischen technischer und sozialer Infrastruktur unterscheiden. Die Infrastrukturen sind wiederum in unterschiedliche Sektoren gegliedert, deren einzelne Digitalisierungsfortschritte sehr unterschiedlich sein können. Grundsätzlich beinhaltet die technische Infrastruktur die Bereiche Ver- und Entsorgung, Gebäude- sowie Verkehrs-Infrastruktur und Mobilität. Die soziale hingegen Verwaltung, öffentliche Sicherheit und Gesundheitswesen.

Ziel ist es nun, die unterschiedlichen Digitalisierungsgegebenheiten der einzelnen Sektoren anzupassen, auszubauen und vor allem in eine übergeordnete Plattform – der Smart City Plattform – zwecks eines Austauschs zu setzen. Dann steht der Smart City eigentlich nichts mehr im Weg. Oder?

IoT4 Industry & Business: Das Thema Smart Cities ist ein noch sehr junges. Die einzelnen Projekte in diesem Bereich wachsen allmählich mit dem Begriff. Sehen Sie das genauso?

23. ICC – Industrial Communication Congress

Wann: 14. und 15. März 2018
Wo: Phoenix Contact Electronics GmbH
       Dringenauer Straße 30
       D-31812 Bad PyrmontIn

Fertigungsindustrie und Gebäudemanagement ist die Digitalisierung längst eingezogen. Die intelligente Verknüpfung von Gebäude-, Versorgungs- und Produktionstechnik ermöglicht es, Energie- und Ressourcenflüsse effizient zu planen.

Anwender werden vor Ort sein und über Optimierungsmöglichkeiten der intelligenten Produktion zusammen mit smartem Energie- und Gebäudemanagement diskutieren.

Joachim Pucker: Das kommt ein wenig auf die Betrachtungsweise an. Es findet bereits seit Jahren eine Digitalisierung in vielen Bereichen des öffentlichen Raumes statt. Nehmen wir das Beispiel der Wasserwirtschaft. Alle Pumpstationen, Regenüberlaufbecken und vieles mehr sind schon lange miteinander vernetzt. Jetzt geht man einfach noch einen Schritt weiter.

Mit den heute vorliegenden technischen Gegebenheiten ist es möglich, in die einzelnen Prozesse noch „tiefer“ hineinzuwachsen, denn ihnen stehen heute Smart Devices im Arbeitsalltag zur Verfügung und folgerichtig auch gleichzeitig mehr digitale Schnittstellen. Inzwischen gibt es auch viele Feldgerätehersteller, die Profinet in ihre Geräte einbauen und der Markt entwickelt sich dahin, dass etwa in der „eher konservativen“ Wasserbranche – um bei dem Beispiel zu bleiben – diese Ausrüstung zum Standard wird.

Jörg Nolte: Im Bereich Gebäudetechnik haben wir ähnliche Ziele. Hier werden mittels Sensoren Daten gesammelt. Aus diesen müssen wir nun einen Nutzen ziehen, um die Idee einer Smart City gerecht zu werden. Das ist der nächste Schritt.

Für den Kunden beziehungsweise für den „User“, also den Menschen in der Smart City, gilt das gleiche – der Mehrwert muss für ihn/sie direkt erkennbar sein, den er/sie im smarten Gebäude oder der smarten Stadt erhält. Dies betrifft die unterschiedlichsten Bereiche, angefangen vom optimalen Verkehrsfluss bis hin zur Energienutzung, dann sprechen wir von einer Smart City.

IoT: Ist der angesprochene Mehrwert das Ziel von Phoenix Contact oder auch das der Städte?

Nolte: Unsere Kunden und Anwender sehen das ganz genauso. Das ist sozusagen ein gemeinsamer Nenner, den man verfolgt. Generell gilt es, die Lebensräume für den Bewohner einer Stadt attraktiv zu gestalten. Beim Thema Smart City können wir das wunderbar veranschaulichen. Inzwischen gibt es zahlreiche, auch geförderte Smart City Pilotprojekte, bei denen Phoenix Contact teilweise schon in der Umsetzung aktiv mit dabei ist.

Denn dass urbane Lebensräume weiterwachsen, liegt auf der Hand. Immer mehr Menschen ziehen für den Lebens- und Arbeitsalltag in die Städte und wünschen sich entsprechend smarte Angebote. Nehmen wir das Beispiel München. Aufgrund bestimmter Faktoren geht die Stadt davon aus, dass bis zum Jahr 2025 ein Wachstum von 20 % zu erwarten ist. Aktuell leben dort 1,55 Mio. Einwohner. Diesen Entwicklungen muss man gerecht werden.

IoT: Nicht jede Stadt kann jedoch ins Green Field gebaut werden. Wie schafft man es, zwischen bestehen Stadtteilen und neu hinzukommenden eine Brücke zu schaffen?

Nolte: Das ist die Herausforderung. Denn, dass die bestehenden Stadtteile sozusagen „mitgenommen“ werden müssen, steht nicht zur Diskussion. Es kann nicht das Ziel der Stadtplanung sein, dass künftig die neuen Stadtteile alle eine smarte Grundversorgung anbieten und die „alten“ Stadtteile dieses Angebot nicht haben. Hier müssen beide Bereiche zusammenwachsen und Phoenix Contact bietet in diesem Zusammenhang sogenannte Brückentechnologien an, die beide Bereiche technisch miteinander vereinen können.

Beleuchten, laden, informieren Die Lichtstele namens „Shuffle“ hat insgesamt fünf integrierte Funktionen: Beleuchtung, Wlan, Kamera, Lautsprecher und E-Ladestation und schafft im öffentlichen Raum damit einen Mehrwert. Sie verbindet nicht nur Außenräume, sie schafft auch Sicherheit durch ihre Licht- und Kamerafunktion. Ein derart modernes Beleuchtungskonzept, das multifunktional agiert, ist Teil eines Smart City-Konzeptes.Beleuchten, laden, informieren 

Die Lichtstele namens „Shuffle“ hat insgesamt fünf integrierte Funktionen: Beleuchtung, Wlan, Kamera, Lautsprecher und E-Ladestation und schafft im öffentlichen Raum damit einen Mehrwert. Sie verbindet nicht nur Außenräume, sie schafft auch Sicherheit durch ihre Licht- und Kamerafunktion. Ein derart modernes Beleuchtungskonzept, das multifunktional agiert, ist Teil eines Smart City-Konzeptes.

IoT: Unabhängig von den technischen Möglichkeiten, die es für eine moderne Stadt gibt, inwiefern sind die (deutschen) Städte bereits aktiv dabei, smart(er) zu werden?

Pucker: Wir sehen inzwischen viele Städte, die sich in die Richtung einer Smart City entwickeln. Vor allem im zurückliegenden Jahr gab es viele Aktivitäten hierzu. Das schwierige ist im Moment jedoch, den wirklichen Vorteil für den Bürger bzw. die Stadt oder eben am Beispiel Wasser – das Wasserwerk – greifbar zu machen.

Hier stellen sich folgende Fragen: Wer soll einen Nutzen haben und inwiefern? Ist es die Stadt, die durch die smarte Infrastruktur aus den gewonnenen Daten Informationen erhält und diese dann wieder in smarte Projekte umwandeln kann oder spreche ich vom Bürger, der smarte Anwendungen in seinem Umfeld vorfindet? Man darf nicht vergessen, dass all diese unterschiedlichen Adressaten jeweils ein anderes Ziel vor Augen haben.

Das Entscheidende ist aber, inwiefern ich die gewonnenen Daten gewerke- bzw. applikationsübergreifend in Beziehung setzen kann. Dann wird es auch erst interessant und smart.

Nolte: Man darf nicht nur die einzelnen Bereiche einer Stadt optimieren. Vielmehr muss die Stadt als integriertes, intelligentes und effizientes Gesamtsystem betrachtet werden, das die Teilsysteme ganzheitlich miteinander vernetzt.

IoT: Das bedeutet, ich muss den Mehrwert, den ich aus der smarten Technik ziehe, stark verdeutlichen?

Nolte: Das ist richtig und ich muss den Mehrwert faktisch wahr werden lassen. Das ist der entscheidende Punkt. Phoenix Contact bietet hier die Proficloud an. Hier können gezielt, die aus den verschiedensten Bereichen/Säulen lukrierten Daten übergreifend zusammengetragen bzw. analysiert und in einen Zusammenhang gebracht werden. Es wird nicht mehr in Silos gearbeitet, die nicht miteinander in Verbindung stehen.

Ich gebe Ihnen hier ein Beispiel: Ein Verkehrsleitsystem muss selbstständig erkennen, dass ein Bereich gerade nicht befahrbar ist, sei es aufgrund eines Schlechtwetter-Ereignisses oder ähnlichem.  Diese Information muss umgehend weitergegeben werden, so dass der User der Smart City seinen Nutzen hieraus ziehen kann und zum Beispiel einen anderen Weg benutzt. Um auch wieder auf das Beispiel München zu kommen: Hier wissen wir, dass die Stadt sich diesen modernen Themen stellt und daher ist München ein Beispiel dafür, eine Smart City in naher Zukunft zu werden.

Die Cloud steht für digitale und internetbasierte Prozesse und vernetzt Produkte, Menschen und Unternehmen. Die Proficloud von Phoenix Contact bietet professionelle ganzheitliche Cloud-Lösungen für eine Automatisierung – von der Infrastruktur, über Plattformen bis hin zur Software. Damit erschließen sich alle Vorteile und Freiheitsgrade beim Übergang in das digitale Zeitalter.

Proficloud ist als offene IoT-Plattform konzipiert und bietet alle Möglichkeiten, die Daten Ihrer Maschinen und Anlagen weltweit zu erfassen und auszuwerten. Das Proficloud-Gateway erlaubt es, ohne zusätzlichen Engineering-Aufwand Bestandsanlagen sowie neue Fertigungskonzepte in die Proficloud zu integrieren.

IoT: Gibt es weitere Städte, die sich der Zukunft stellen?

Nolte: Ja, ein anderes Beispiel ist Darmstadt. Hier hat die Stadt den Bitkom-Wettbewerb zum Thema „Digitale Stadt“ gewonnen und die 155.000 Einwohner-Stadt ist nun auf dem besten Weg dahin, zu einer voll digitalisierten Umgebung zu werden, in der Bereiche, wie Verkehr, Gesundheit, Sicherheit und Energie die Smart City-Voraussetzungen anwenden.

Pucker: Auch die Stadt Lemgo (in NRW) mit dem Projekt Lemgo Digital wäre ein Beispiel für eine Smart City. Ein Vorteil ist hier sicher auch, dass das Fraunhofer Institut IOSB-INA vor Ort ist, dass das Ganze mit unterstützt. Konkret geht es in Lemgo aber auch um ein smartes Parkleitsystem, das on-street installiert wird.

Ein sehr großer Anteil an Menschen ist jedoch in einer Stadt zuhause, die den Klein- und mittelgroßen Städten entsprechen. Hier ergeben sich dann auch ganz andere Potenziale.

IoT: Was braucht es also für eine Smart City?

Pucker: Es ist doch so, dass ich auch eine gewisse Vision mittragen muss in Bezug auf die Stadtentwicklung, nur dann kann ich mich auch weiterentwickeln. Die Verantwortlichen müssen eine Idee haben, wo sie „ihre“ Stadt und den dort lebenden Bürger in 10, 15 Jahren sehen möchten. Bei der Umsetzung der einzelnen Projekte ist es durchaus verständlich, dass man hier schrittweise vorgeht und erst einmal mit einzelnen Ideen, wie E-Tankstellen, startet. Dennoch muss man immer die Stadtentwicklung auch in einem gewissen Zusammenhang betrachten und vor allem vorausdenken.

Ich gebe Ihnen hier wieder ein Beispiel: Wenn eine Stadt Reparaturvorhaben an Wasserleitungen plant und im Zuge dessen die Straße aufreißen muss, warum kann ich dann nicht einen Schritt weiterdenken und ggf. Lichtwellenleiter gleich an Ort und Stelle verlegen, die wiederum für einen Schritt in Richtung Digitalisierung gehen? Diesen Fragen sollte man sich künftig vermehrt stellen.

IoT: Das bedeutet, ich muss als Stadtverantwortlicher weiter vorausdenken?

Pucker: Ich muss vor allem eine Vision haben und eine gesamtheitliche Entwicklung vorantreiben wollen. Natürlich müssen auch Investitionen getätigt werden.

Nolte: Anhand eines Masterplans kann eine vorausschauende und ganzheitliche Entwicklung erfolgen.

IoT: Wie geht Phoenix Contact nun diese „Visionen“ für seine Kunden an? Wie erreichen Sie die Zielgruppe zum smarten Mitdenken?

Nolte: Zum einen arbeiten wir hier über Kongresse und Messen, aber auch über unterschiedlichste Verbände.

Pucker: Zum anderen haben wir natürlich auch ein großes Kundenportfolio aus den verschiedensten Bereichen und sind hier auch „beratend“ unterwegs. Und wie ich bereits eingangs erwähnte, findet der Digitalisierungsprozess ja oft bereits in gewisser Weise statt.

IoT: Wird es ein langer Weg werden, um die vielen Städte smart zu machen?

Pucker: Nicht unbedingt. Gerade im zurückliegenden halben Jahr haben wir festgestellt, dass viele Aktivitäten stattgefunden haben. Eine größere Herausforderung ist es, den Mehrwert für den einzelnen zu vermitteln. Hier ist der Weg noch weit und hier müssen wir noch stärker hinarbeiten, dass dieser in den Köpfen präsent ist.

IoT: Steht die Politik diesbezüglich eher auf der Bremse?

Nolte: Ich denke nicht, dass die Politik hier ein Hemmschuh ist. Ich denke eher, dass die Bedeutung dieser Entwicklung mehr in den Fokus der Verantwortlichen rücken muss und die Politik und die einzelnen Kommunen stärker zusammenarbeiten sollten.

IoT: Sobald man über das Datensammeln und über Datenanalysen spricht, muss man auch über den Security-Aspekt sprechen. Wie geht Phoenix Contact hier vor und wird mit Partnern gemeinsam an Lösungen gearbeitet?

Nolte: Das Thema Security ist bei uns ein elementarer Bestandteil und wird im Haus von der Phoenix Contact Cyber Security AG gelöst. Es handelt sich hier um eine Tochterfirma von uns, die sich ausschließlich der sicheren Datenkommunikation widmet und entsprechend Produkte und Lösungen zur Verfügung stellt.

Was die Zusammenarbeit mit potenziellen Partnern anbelangt, sind wir diesbezüglich sehr offen. Dennoch möchten wir gerade bei Kerntechnologien, und Security gehört eindeutig dazu, gerne in-house-Kompetenzen vorliegen haben.

Das neue Gebäude am Standort Bad Pyrmont zeichnet sich durch eine moderne und offene Architektur aus und gilt als eine der smartesten in Deutschland. | Bild: Phoenix Contact
Das neue Gebäude am Standort Bad Pyrmont zeichnet sich durch eine moderne und offene Architektur aus und gilt als eine der smartesten in Deutschland. | Bild: Phoenix Contact

IoT: Welche technischen Entwicklungen werden weiter den Smart City Markt revolutionieren?

Pucker: Es gibt jetzt schon verschiedenste Kommunikationstechnologien für IoT und weitere werden künftig noch dazu kommen, gerade in Bezug auf Funk-Technologien. Die LoRaWAN-Technologie, die speziell für die Kommunikation im Internet der Dinge entwickelt wurde und die es jetzt schon gibt, ist zwar ein Teil der Zukunft von IoT – es ist jedoch nicht die einzige. LoRaWAN ist dennoch eine kostengünstige Netzwerklösung, die es ermöglicht, ganze Städte und Regionen mit einer Vielzahl von IoT-Applikationen auszustatten. Auch in diesem Bereich werden wir über unsere eigenen Lösungen hinaus mit Partnern zusammenarbeiten.


Quelle: Phoenix Contact

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