Deutsche Stadtwerke bei Smart-City-Anwendungen vor EVUs

Bei zahlreichen Themen und Anwendungen in der so genannten Smart City besitzen deutsche Stadtwerke bessere Startchancen als große Energieversorger. Bild: ItNeverEnds auf Pixabay

Die verstärkte Digitalisierung der Metropolen bringt deutsche Stadtwerke in eine vielversprechende Wettbewerbsposition: Bei zahlreichen Themen und Anwendungen in der so genannten Smart City besitzen kommunale Betriebe bessere Startchancen aus Sicht der Endkunden als große Energieversorger.

Eine repräsentative Oliver Wyman-Untersuchung zeigt auf, welche Geschäftsfelder auf besonders hohes Nachfragepotenzial der Städter stoßen und wo sich in Deutschland Investitionen aktuell noch nicht lohnen. Superschnelle Internet-Hotspots, Gesundheits-Apps mit Frühwarnfunktion oder Navigationssysteme, die den nächsten freien Parkplatz gleich reservieren und bezahlen: An Pilotprojekten und Visionen für die Smart City mangelt es nicht. Doch welche digitalen Angebote für Städte locken auch zahlungsbereite Nutzer? Und wo bieten sich speziell für Energieversorger lukrative Geschäftschancen? Die Antwort liefert eine aktuelle Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman. Die Experten haben 31 potenzielle Einzellösungen in acht Themenfeldern auf dem deutschen Endkundenmarkt abgefragt. Untersucht wurden das Interesse, die erwartete Nutzungshäufigkeit und nicht zuletzt die Zahlungsbereitschaft. Im Schnitt signalisieren 34 % der Befragten ein Interesse oder gar hohes Interesse an neuartigen Smart City-Angeboten. „Energieversorger haben jetzt eine gute Chance, sich als innovativer Lösungsanbieter in den Städten von morgen zu etablieren“, sagt Thomas Fritz, Partner bei Oliver Wyman in Düsseldorf. „Mit entsprechender Strategie können sie sich zu einem Lösungsanbieter und Orchestrierer im städtischen Ökosystem entwickeln.“ Allerdings braucht es einen präzisen Blick, welche Themenfelder sich vordringlich lohnen – in Anbetracht der heutigen Positionierung der Energieversorger und des jeweiligen Marktpotenzials der Lösung. Denn erschwerend kommt hinzu: Die Zahlungsbereitschaft für die smarten Extras liegt mit durchschnittlich 72 bis 124 Euro im Jahr nur auf bescheidenem Niveau.

Infrastruktur von höchstem Interesse.

Konsumenten zeigen hohes Interesse an so genannten Smart City-Lösungen laut Umfrage.
Konsumenten zeigen hohes Interesse an so genannten Smart City-Lösungen laut Umfrage.

Von den acht analysierten Lösungsclustern zeigen Endkunden das höchste Interesse an Smart City-Angeboten in den Themenbereichen Infrastruktur (37 %), Gesundheit (36 %), Verwaltung (36 %) und Mobilität (35 %). Insbesondere jüngere Zielgruppen (unter 38 Jahren) sind überdurchschnittlich stark interessiert. „Energieversorger können sich mit Smart City-Lösungen über klassische Angebote in den Bereichen Strom, Gas oder Wärme hinaus differenzieren“, so Fritz. Der Aufbau neuer Dienste habe perspektivisch das Potenzial, den Druck im Bestandsgeschäft zu lindern. Die Anforderungen sind jedoch hoch. Produkte mit klassischem Energiebezug rangieren laut Umfrage im oberen Mittelfeld des Interesses: Lokale und dezentrale Energieversorgungskonzepte, die zudem auf erneuerbare Quellen setzen, sind mit 171 bis 255 Euro von überdurchschnittlich hoher Zahlungsbereitschaft gekennzeichnet.

Deutsche Stadtwerke in der Pole-Position.

Als „Stars of Tomorrow“ charakterisiert die Untersuchung drei Themen: Automatisiertes Fahren, P2P-Fahrradsharing sowie Plattformen für modernes und kollaboratives Wohnen. Generell sieht Fritz die deutschen Stadtwerke in sechs von acht Themenclustern im Vorteil gegenüber großen Energieversorgern (EVU). „Nur im Themenbereich Nachhaltigkeit erzielen große EVU eine Bestplatzierung in der Kundenpräferenz. Wie weit vorne ansonsten die Stadtwerke in den Augen der Endkunden sind, ist schon etwas überraschend.“ Fritz hält es für eine lohnende Strategie, gezielte Kooperationen mit Spezialanbietern einzugehen, auch um die Kundenwahrnehmung weiter zu verbessern. An der Befragung nahmen 1.000 Endverbraucher aus deutschen Großstädten teil. Sie fand im November 2019 statt.

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