Analytik Jena und Endress+Hauser machen Schluss mit Gegensätzen

Für das gute Miteinander von Labor- und Prozesstechnik entwickeln Endress+Hauser und Analytik Jena Tools für beide Bereiche.
Für das gute Miteinander von Labor- und Prozesstechnik entwickeln Endress+Hauser und Analytik Jena Tools für beide Bereiche.

Das Miteinander von Labor- und Prozesstechnik wollen Endress+Hauser und Analytik Jena fördern. Dazu entwickeln sie Tools, die in beiden Bereichen eingesetzt werden können und damit vergleichbare Messungen und Analysen ermöglichen.

Was in einer Laborumgebung funktioniert, hat mit der Analyse im Prozess nur wenig zu tun. So lautet jedenfalls eine weit verbreitete Meinung. Übrigens von beiden Seiten. Das Unverständnis für die jeweils andere Seite, für die Bedürfnisse und Anforderungen lassen sich scheinbar nicht überwinden. Den Gegenbeweis will Endress+Hauser gemeinsam mit Analytik Jena, seit 2014 Teil der Endress Gruppe, antreten. Im Rahmen eines Fachpresseforums Mitte Jänner stand das Thema „Analyse vom Labor in den Prozess speziell für Kunden aus dem Bereich Pharma und Life Sciences“ im Mittelpunkt. Gerade die Pharmaindustrie zeigt sich nicht ganz so innovativ, wenn es um die Einführung neuer Prozesse geht. Das zeigte auch ganz deutlich eine Podiumsdiskussion mit Dr. Monika Heisterkamp, Director Marketing Endress+Hauser Liquid Analysis, Dr. Marc Diener, Director Product Management, Application & Marketing Analytik Jena und Philipp Garbers, Branchenmanager Life Sciences Endress+Hauser. Die drei waren sich einig, dass sich Pharmaunternehmen, die mit gewachsenen und bewährten Produktionsanlagen arbeiten, vor neuerlichen Zulassungsprozessen bei den Behörden scheuen. In Asien gäbe es dagegen sehr viele Greenfield-Projekte, bei denen man auf keine Historie zurückgreifen könne. „Wenn ihr Auto nach 40 Jahren eingeht, dann kauft man ja auch ein modernes Auto, das dem Stand der Technik entspricht. Nicht ein Modell von vor 40 Jahren“, versucht Dr. Heisterkamp einen Vergleich mit einer verbreiteten europäischen Einstellung zu ziehen. An den technischen Lösungen zur Verbesserung mangelt es jedenfalls nicht. Oft scheitert es noch am menschlichen Zusammenspiel. „Wir erleben oft, dass die Mitarbeiter aus dem Labor noch nie mit denen aus dem Prozess gesprochen haben. Sie kennen einander schlichtweg nicht“, erklärt Philipp Garbers. Hier sind einfache Gespräche über die jeweiligen Bedürfnisse und Anforderungen häufig der beste Start.

Erste Synergien.

Dass es sehr wohl moderne Anlagen gibt, die Analysen im Prozess mit der selben Qualität wie im Labor ermöglichen, zeigen Endress+Hauser und Analytik Jena. „Was im Labor gemessen wird, sollte im Prozess natürlich mit den gleichen Methoden und der gleichen Qualität gemessen werden“, erklärte Ulrich Krauss, CEO der Analytik Jena AG. Gleiche Spektrometermodule vereinfachen den Transfer von Probemessungen und Chemometriemodellen vom Labor zum Prozess und erhöhen die Vergleichbarkeit der Messungen egal ob on- oder offline. Bestes Beispiel ist die Life-Science-Industrie, in der beispielsweise ein Medikament zunächst im Labor entwickelt wird. Meist in einer sehr kompakten Einheit, die auf einem Tisch Platz findet. Erst später wird der Prozess in die Produktionsanlage hochskaliert, in der dann große Mengen des medizinischen Wirkstoffs hergestellt werden. „Langsam entstehen Synergien zwischen Labor und Prozess“, bemerkt auch Dirk Neirinck, Corporate Director Business Development, Endress+Hauser in seinem Vortrag „Allerdings ist viel Erfahrung notwendig, um die beiden Bereiche zu verbinden.“

80 Proben pro Stunde.

Im Rahmen der Hausmesse präsentiert Ulrich Krauss unter anderem die zwei neuen Modelle der PlasmaQuant MS-Serie (ICP-MS – Massenspektrometer mit induktiv gekoppeltem Plasma). Das PlasmaQuant MS Q für die Hochdurchsatz-Anwendungen geeignet, z. B. in der Qualitätskontrolle von Konsumgütern, der Lebensmittelkontrolle oder der Umweltüberwachung. Das PlasmaQuant MS Elite S kommt für die Routineanalytik von Ultraspuren zum Einsatz, etwa in Anwendungen der Halbleiterindustrie, der Qualitätskontrolle hochreiner Chemikalien oder in der Geochemie und Geochronologie. Je nach Matrixlast der Proben und den individuellen Leistungsanforderungen an Sensitivität und Durchsatz, ist die Analyse von mehr als 80 Proben pro Stunde möglich. Schon 2018 hat Analytik Jena eine vollautomatisierte Systemlösung für das Smart Extraction-Verfahren präsentiert. Kernbestandteil ist dabei das modulare Liquid Handling-System Cybio Felix. „Laborautomation muss im Gesamtkontext gedacht werden“, erklärt Manuela Beil-Peter, Leiterin Lab Automation und Liquid Handling bei Analytik Jena. „Genau das haben wir mit der Automatisierung von Smart Extraction auf dem Cybio Felix gemacht. Hier ist alles miteinander in Einklang gebracht worden: Kits, Pipettierplattform und weitere Geräte, die zur DNA-Extraktion notwendig sind.“ Die Pipettierplattform ist so konzipiert, dass sie sich optimal in eine bestehende, zu automatisierende Geräte- und Prozesslandschaft integrieren lässt. Das Gerät mit bis 384 Kanälen und einem Volumenbereich von 0,5 bis 1.000 μl ermöglicht den parallelen Transfer im 96- und 384-Well-Format und kann sowohl einkanalig, spalten oder reihenweise pipettieren.

Für die Hosentasche.

Auch Endress+Hauser geizt nicht mit neuen Produkten. Den Weg für das Industrial Internet of Things (IIoT) soll der neue Liquiline Compact CM82 ebnen. Der, nach eigenen Angaben, weltweit kleinste Messumformer für Memosens-Sensoren sorgt für Prozesssicherheit, gepaart mit Kosteneinsparungen bei der Installation und im Betrieb. Das schlanke Gehäuse ist nur 11 cm lang und 2 cm breit, wodurch es zusammen mit dem Sensor in die meisten Armaturen passt. Diese kompakten Maße des Feldmessumformers ermöglichen den Einbau von zusätzlichen Sensoren, die noch mehr Prozessdaten liefern und damit einen besseren Einblick in den Produktionsprozess ermöglichen. Zu den handlichen Geräten zählt auch das neue Multiparameter-Handmessgerät Liquiline Mobile CML18. Egal, ob im Labor oder im laufenden Prozess, es kann in vielfältigen Anwendungen verwendet werden und passt in jede Hosentasche. Dank der Memosens-Technologie sind die Sensoren mit einem integrierten Mikroprozessor im Kopf ausgestattet, der alle Sensorsignale in ein robustes digitales Signal umwandelt und sie so unempfindlich gegen Feuchtigkeit oder andere Umwelteinflüsse macht. Bei der Probenanalyse kann es aufgrund unterschiedlicher Messtechnik häufig zu Abweichungen zwischen der Labormessung und der Messung im Prozess kommen. Mit Liquiline Mobile CML18 können im Labor die gleichen Memosens-Sensoren wie im Prozess eingesetzt verwenden. Dies garantiert die volle Datenkonsistenz von Labor- und Prozessmessungen.

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