Udo Urbantschitsch stellt klar: Red Hat is still Red Hat

Udo Urbantschitsch, Managing Director Red Hat Austria kann sich über die wachsende Open-Source-Community in Österreich freuen.
Udo Urbantschitsch, Managing Director Red Hat Austria kann sich über die wachsende Open-Source-Community in Österreich freuen.

Udo Urbantschitsch, Managing Director Red Hat Austria kann sich über die wachsende Open-Source-Community in Österreich freuen. Und er stellt klar, dass Red Hat auch nach dem Kauf durch IBM Red Hat bleiben wird.

IoT4industry&business: Open Source ist für Red Hat weniger ein technisches als ein kulturelles Thema.
Udo Urbantschitsch: Sie sagen es. Man muss aber schon auch verstehen, dass die Red Hat im Herzen eine extreme Techie Company ist. Wenn man sich unsere Umsatzzahlen global anschaut, sind wir über die letzten 68 Quartale konsequent gewachsen. Wir haben uns schon vor Jahren gefragt: Was macht uns eigentlich so erfolgreich? Auch andere Unternehmen haben gute Produkte. Und wir sind draufgekommen, dass es in der Tat nur unsere Kultur ist. Das ist die einzige Quelle für unsere konstante Innovation und unseren Vorsprung. Wir kennen viele Firmen, die haben ein super Produkt gelauncht, beim zweiten und dritten Produkt ist es zäh geworden. Bei Red Hat ist es auf Grund der ganzen Open-Source-Idee grundlegend anders. Wir haben Linux nicht erfunden, aber wir sind der größte Kontributor. Wir haben es kommerzialisiert und haben daraus ein stabiles Enterpriseprodukt gemacht. Das war aber nur durch die Kultur möglich.

IoT: Wie sieht es mit den Open-Source-Projekten in Österreich aus?
Udo Urbantschitsch: Wir haben ein tolles österreichisches Open-Source-Beispiel. Und zwar die Allianz Versicherung. Denn was viele nicht wissen: die Allianz Technologies in Wien hat ein Kernversicherungssystem für die gesamte Welt entwickelt, das Open-Source-basiert ist. Der Open-Source-Spirit ist in Österreich überhaupt enorm groß. Wir haben Vereinigungen und Vereine, wie etwa die OSSBIG. Das ist ein loser Zusammenschluss von allen möglichen großen österreichischen Unternehmungen. Das Schöne ist, dass wir als einziger Hersteller fast immer dabei sind, weil man uns glaubt, dass uns das Thema Open Source wirklich am Herzen liegt.

IoT: Sie haben vor vier Jahren in Österreich mit Red Hat gestartet. Haben sich Ihre wirtschaftlichen Erwartungen erfüllt?
Udo Urbantschitsch: Ich kann schon sagen, dass die Erwartungen an den Umsatz sehr hoch waren. Vor allem, da wir anfangs nur zu zweit waren. Der Umsatz wurde aber tatsächlich übertroffen und das macht mich stolz. Man muss natürlich auch sagen, dass uns die neue Liebe der IBM als Partner bei vielen neuen Kunden anders positioniert. In vier Jahren sind wir von zwei auf 30 Mitarbeiter in Österreich gewachsen und konnten wirklich viele neue Kunden gewinnen.

IoT: Sie haben bei der Eröffnung gesagt „Red Hat is still Red Hat“. Welche Befürchtungen werden Ihnen gegenüber denn durch den IBM-Kauf geäußert?
Udo Urbantschitsch: Ich habe von Kunden gehört: Red Hat wird verschwinden. Die Kultur wird sterben. Es wird alles viel teurer werden und proprietärer. Das hören wir zwar nicht extrem oft, aber wenn, dann merke ich schon die Dringlichkeit und ein wirkliche Sorge. Und das nehme ich dann sehr ernst. Was sich aber bisher gezeigt hat: die Befürchtungen sind unbegründet. Red Hat wird nicht in die IBM eingegliedert, sondern als Partner gesehen. Seitens der IBM gibt es dazu enorme Anstrengungen. Und wir bleiben weiterhin komplett eigenständig. Es gibt nur einen Menschen bei Red Hat, der an IBM reportet, und das ist unser CEO Jim Whitehurst.

IoT: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Udo Urbantschitsch: Open Source ist für mich die Zukunft. Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, wie ich für eine Firma tätig sein sollte, die nicht wirklich ernsthaft mit Open Source arbeitet. Ich bin fest davon überzeugt, dass man Innovationen nur gemeinsam mit den besten, hellsten Köpfen der Welt stemmen kann. Außerdem wünsche ich mir, dass wir weiterhin mit IBM diese Partnerschaft auf Augenhöhe betreiben. Vom Markt generell erwarte ich, dass unsere Beziehungen so gut weiterlaufen und mehr werden. Wir haben es in den letzten vier Jahren noch gar nicht geschafft, alle Firmen zu besuchen. Und ich wünsche mir, dass unser Brand weiterhin von unseren Partner und Kunden so hoch gehalten wird, wie es momentan der Fall ist.

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