PTC | “Wir möchten das Internet der Dinge entmystifizieren”

Das Internet der Dinge hat nun auch den Bildungssektor erreicht und PTC als Vorzeigeanbieter auf dem Gebiet der IoT-Plattformen ist schon seit längerer Zeit umtriebig, wenn es um die Förderung und Ausbildung des Nachwuchses geht. Gemeinsam mit dem österreichischen Bildungsministerium gibt es nun direkte Investitionen für die Schüler der heimischen HTLs.

Die junge Generation ist im Umgang mit Augmented Reality-Anwendungen mittels HoloLens sowie Tablets und all den innovativen technischen Neuheiten der vergangenen Jahre nicht nur aufgewachsen, sie haben auch keine Ängste diese täglich anzuwenden. Diese Technik gehört schlichtweg für sie dazu. Und auch während des Schulunterrichts ist die Begeisterung von Schülerseite durchaus vorhanden. Der Vorteil: Am späteren Arbeitsmarkt widerfährt der jungen Nachwuchsgeneration inzwischen ein Run auf die Besten. Jetzt fehlt eigentlich nur noch der Nachwuchs selber, vor allem der weibliche, der seit Jahren auch an den HTLs auf der Strecke bleibt. Doch trotz intensiver Bewerbungen der jeweiligen Ausbildung und der Dutzenden Girls Days hat es den Turnaround noch nicht gegeben. Dies ist sicherlich auch den diversen Vorurteilen geschuldet – denn Technik – die begeistert – ist geschlechtsunabhängig. In einem Gespräch mit Mag. Wolfgang Pachatz, dem stv. Abteilungsleiter im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung in Wien, und FH-Prof. Dr. Reinhard Bernsteiner vom Management Center Innsbruck, wurde deutlich, dass der Einsatz von modernen Softwareprodukten mehr erreichen kann, als man zunächst annimmt.

MM: PTC und das Bildungsministerium – wie passt das zusammen?

„Wir würden uns freuen auch den Mädchen-/Frauenanteil an den HTL zu erhöhen. Hier ist die Bildungs-entscheidung leider (noch) nicht rational.“
Mag. Wolfgang Pachatz, stv. Abteilungsleiter im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung Österreich.

Mag. Wolfgang Pachatz: Die Zusammenarbeit mit PTC besteht schon seit geraumer Zeit, seit etwa 20 Jahren und hier vor allem im Bereich der Konstruktion. Seit diesem Zeitpunkt
sind wir mit PTC im ständigen Austausch.

MM: Die Zeiten haben sich gerade in jüngster Vergangenheit rasant technisch weiterentwickelt. Digitalisierung beherrscht den Arbeitsalltag, auch den Bildungsbereich?

Pachatz: Als das Thema Industrie 4.0 in Österreich vor einigen Jahren verstärkt in den Mittelpunkt rückte, haben wir uns mit dem Produktangebot von PTC noch näher beschäftigt. Der schlussendliche Beginn der neueren Zusammenarbeit im IoT-Bereich mit PTC erfolgte während eines Besuches bei der RWTH Aachen. Dort haben wir uns die Aktivitäten von PTC in diesem Bereich live vor Ort näher angesehen. Es kam im Anschluss von unserer Seite zu einer Prüfung, ob und wie wir dieses Angebot auch in den Unterricht einbauen könn(t)en. Das war vor etwa zwei bis drei Jahren.

MM: „IoT-Plattformen in den Unterricht einbauen“ bedeutet für welche Art von Schulen konkret?

Pachatz: Wenn es konkret um die IoT-Plattform von PTC geht, sprechen wir hier vorerst einmal über einen Unterrichtseinsatz in der HTL. Hier gibt es inzwischen zahlreiche
Pilotprojekte, die bereits aktiv laufen. In Gesamtösterreich sind es zusammengefasst
zehn Schulstandorte, wobei drei bis vier führend sind.

MM: Welche sind das und was zeichnet diese aus?

Pachatz: Das ist zunächst einmal die HTL Jenbach, an der auch Herr Professor Bernsteiner unterrichtet. Weiters sind das die HTL Ried im Innkreis, das TGM in Wien und die Bulme in Graz.

MM: Was können diese vier nun mehr als die anderen Ausbildungsstätten?

Pachatz: Sie nehmen eine besondere Vorreiterrolle ein, denn sie sind Wegbereiter für andere Schulen. Das, was an ihnen bereits erarbeitet wird, erhalten die anderen HTLs zur weiteren Verwendung und richten entsprechendes Feedback über die Qualität und Möglichkeiten dann an diese vier „Opinion-Leader“ Schulen.

Das, was wir versuchen ist, dass irgendwann einmal der Status erreicht wird, über fertige Unterrichtssequenzen zu verfügen. Zudem möchten wir auch wissen, wie wir diese Software so günstig wie möglich an allen HTLs in Österreich einsetzen können. Weiters möchten wir die maximale Bandbreite der Anwendungen ausnutzen und in den Unterricht einbauen – das passiert nun allmählich und es kommen mehr und mehr Standorte dazu.

MM: Welche Rolle nehmen Sie hierbei ein Professor Bernsteiner?

„In der IoT-Arbeitsgruppe finden Schulungen statt. Die erste große Schulungswelle hat erst im März diesen Jahres stattgefunden, die nächste große erfolgt im Herbst.“ | FH-Prof. Dr. Reinhard Bernsteiner, vom Management Center Innsbruck.

Prof. Dr. Bernsteiner: Es gibt eine bundesweite IoT-Arbeitsgruppe, bei der ich die Leitung innehabe, um eine österreichweite Koordinierung gezielt zu begleiten.

MM: Und seit wann sind Sie dieser Leiter?

Bernsteiner: Seit gut einem Jahr. Wie schon von Herrn Pachatz angesprochen haben wir das Ziel die Nutzung von IoT, insbesondere von Iot-Plattformen, an möglichst allen HTL-Standorten in Österreich zu forcieren.

Derzeit ist es der Fall, dass PTC mit seinem Produktportfolio das beste IoT-Angebot vorliegen hat und von daher konzentrieren wir uns auf PTC. Es gibt unsererseits aber keine Beschränkung auf die Produkte von PTC, allerdings unterstützen wir von der IoT-Arbeitsgruppe nur diese.

MM: Wahrscheinlich aber auch, weil das Angebot an IoT-Lösungen viel zu umfangreich ist um alle nutzen und verstehen zu können?

Bernsteiner: Erstens das und dann ist es weiters auch so, dass wir nach unseren Evaluierungen festgestellt haben, dass das Angebot von PTC das für unsere Ansprüche am besten geeignete ist.

Pachatz: Aber es liegt eben auch der Fall vor, dass wir ja vor knapp 20 Jahren im 3D/CAD-Softwarebereich bereits die Partnerschaft mit PTC begonnen haben. Weiters ist es auch möglich, die PTC-IoT-Plattform in die bestehenden Systeme zu integrieren. Da gibt es meiner Ansicht nach auch ein Alleinstellungsmerkmal was die Fähigkeiten in diesem Bereich bei PTC angeht.

MM: Haben Sie dennoch bei Ihrer Entscheidung auch andere Möglichkeiten in Betracht gezogen oder ist die Zusammenarbeit jetzt wie erwähnt rein aus der bestehenden Partnerschaft und dem Angebot heraus entstanden?

Pachatz: Wir müssen uns bei öffentlichen Auftragsvergaben an die Bestimmungen des Vergaberechts halten, was wir auch selbstverständlich getan haben. Zu dem Zeitpunkt, als wir die Zusammenarbeit mit PTC gestartet haben, war kein nennenswerter alternativer Hersteller am Markt, der die von uns geforderten Kriterien erfüllen konnte. Und – es gibt zudem Einführungshürden und die waren mit dem PTC-Produkt relativ niedrig. Wir sprechen hier etwa wie erwähnt von den Integrationsmöglichkeiten in bestehende Systeme. Mit PTC waren wir hier auf der sicheren Seite.

MM: Herr Prof. Bernsteiner. Wie groß ist die IoT-Plattform-Arbeitsgruppe, die Sie erwähnt haben?

Bernsteiner: Es gibt einen Kernbereich bestehend aus fünf Personen. Dieser Kreis soll auch stabil bleiben. Wir möchten aber die Breite der Anwendungen im Laufe der Zeit erhöhen, also mehr Schulen und mehr Standorte hinzufügen. Nun geht es zunächst einmal darum Erfahrungen zu sammeln.

Derzeit sind auch schon eine Reihe von Schulungen für das Lehrpersonal geplant bzw. in der Umsetzung. Das dauert seine Zeit.

MM: An wen berichtet die Arbeitsgruppe?

Bernsteiner: Aus organisatorischer Sicht berichtet diese Arbeitsgruppe direkt an das Bundesministerium.

MM: Weil…

Pachatz: …es sich hierbei um eine Arbeitsgruppe des Ministeriums handelt. Wir haben hier gezielt Lehrerinnen und Lehrer ausgewählt, von denen wir der Meinung waren, dass sie gute Beiträge leisten können. Und diese Arbeitsgruppe, aus den vier zuvor erwähnten HTLs, bearbeiten das geplante Rollout dann für die weiteren Standorte vor. Wir möchten daher diese Steuerungsgruppe auch nicht personell vergrößern. Die Entwicklung bleibt bei ihnen, die Anwendung gilt dann eben für alle.

MM: Wie viele HTLs arbeiten jetzt schon konkret mit dem PTC-IoT-Software-Angebot?

Pachatz: Wenn man die Bereiche Maschinenbau und Mechatronik heranzieht, mit einigen weiteren fachverwandten Ausbildungen, dann sprechen wir etwa von 50 Schulen. Was das IoT-Projekt konkret betrifft, unterscheiden wir die Schulungsphase und die Roll-Out Phase. Wir starten mit den Schulungen für das Lehrpersonal, um sie mit der Verwendung der Software vertraut zu machen.

Der nächste Schritt ist hingegen viel komplexer. Er beinhaltet das Ziel, die Software im Unterreicht zu verwenden und das wird noch eine längere Zeit in Anspruch nehmen, bis wirklich alle ihre Kenntnisse geordnet in den Lehrplan einbauen können und auch eigene Lernsequenzen gestalten können.

Diese Kompetenzen gilt es gezielt zu fördern und hierfür ist die Projektgruppe verantwortlich. Fakt ist, dass es noch eine Zeit dauern wird, bis es sich verselbstständigt hat. Letztendlich ist die Geschwindigkeit der Implementierung auch eine Frage der Kosten.

MM: Was schätzen Sie, wie lange dauert es bis zum kompletten Rollout?

Pachatz: Vielleicht fünf Jahre. Es ist schwer hier eine konkrete Einschätzung abzugeben, denn wie erwähnt, es ist auch eine Frage der Kosten.

MM: Das bedeutet, der österreichische HTL-Nachwuchs erhält an den entsprechenden Ausbildungsstätten eine sehr gute Ausbildung. Gilt dies auch im Vergleich zu anderen EU-Ländern?

Bernsteiner: Das ist so und heute kann man bereits leider sagen, dass die personelle Nachfrage mit dem was von den Schulen kommt nicht gedeckt werden kann. Das ist ein sehr großes Thema und wird uns noch Jahre beschäftigen.

Pachatz: Von Seiten der Regierung, im konkreten Fall vom Minister Prof. Dr. Heinz Fassmann, wird derzeit allerdings einiges unternommen, um dem entgegenzuwirken. Zu Ihrer Frage: Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass die HTLs in diesem Bereich mit einigen Universitäten und Fachhochschulen an der Spitze mitwirken. Der HTL-Nachwuchs hat ganz sicher einen Wettbewerbsvorteil am Markt. Denn die Ausbildungsstätten sind mit dieser Technologie am Puls der Zeit!

Bernsteiner: Unser Ziel ist es mit der Ausbildung in die Breite zu gehen und eben noch nicht in die Tiefe wie eben an Fachhochschulen und Universitäten. Sie dürfen nicht vergessen, dass wir mit 14 bis 19-Jährigen zu tun haben. Und die haben mit dem was geboten wird eine Top-Ausbildung erfahren.

Pachatz: Generell lässt sich feststellen, dass wir an den österreichischen HTLs im internationalen Vergleich eine so genannte EQF-Level-5-Ausbildung anbieten (Europäischer Qualifikationsrahmen, der insgesamt 8 Ausbildungsstufen berücksichtigt). Somit befinden wir uns im Vergleich auf einem sehr guten Niveau. Es ist aber auch herausfordernd jemanden außerhalb Österreichs zu verdeutlichen, wie das österreichische Bildungssystem aufgebaut ist. Zusammenfassend lässt sich jedoch sagen, dass unsere Schüler im europäischen Vergleich sehr gut ausgebildet sind.

Wir sind, was den Einsatz von neuesten technischen Entwicklungen angeht, sehr schnell unterwegs. Da hinkt ab und an die Wirtschaft mehr hinterher.

Bernsteiner: Was kein Nachteil ist, da wir sowieso einen gewissen Vorlauf brauchen.