Transportsysteme | Ein Jubiläum

Fahrerlose Transportsysteme (FTS) können flexibel auf veränderte Erfordernisse reagieren und ermöglichen so den Aufbau intelligenter Fabriken. Sie gelten als Zukunftsmaterie mit langer Historie. Das erste FTS fuhr 1954. Seit 1984 ist DS Automotion mit dabei.

Nicht erst seit der vergangenen LogiMat ist ein klarer Trend zu Fahrerlosen Transportsystemen erkennbar. Sie übernehmen einfach immer mehr innerbetriebliche Transportaufgaben in der gewerblichen und industriellen Produktion, denn sie können flexibel auf veränderte Erfordernisse reagieren. Durch Einbeziehung der Intralogistik in die flexiblen Herstellungsprozesse ermöglichen sie den Aufbau intelligenter Fabriken nach den Grundsätzen von Industrie 4.0. So gelten FTS als Zukunftsmaterie. Dabei sind sie keineswegs neu, denn das erste fahrerlose Transportsystem wurde vor 65 Jahren in Amerika installiert. Dabei handelte es sich um einen automatisierten Schlepper für Sammeltransporte, dessen Elektronik für die Steuerung noch mit Elektronenröhren aufgebaut war. Die Navigation erfolgte spurgeführt entlang eines stromdurchflossenen Leiters. Die Stationen erkannte das Fahrzeug an Magneten im Boden.

Linzer mit dabei.

„Unser erstes FTS realisierten wir 20 Jahre später für Volkswagen“, berichtet DI Manfred Hummenberger MBA, Geschäftsführender Gesellschafter von DS Automotion in diesem Zusammenhang. „Die FTS wurden im Werk Brüssel als Träger für den Aufbau der Rohbaukarosserien verwendet.“ Allerdings gab es DS Automotion im Jahr 1984 noch gar nicht. Die FTS-Hersteller waren damals Teil der staatlichen Voest Alpine AG. „Für unser erstes FTS lieferten wir nur den maschinenbaulichen Teil der Fahrzeuge und die Leitsteuerung auf Basis einer SPS“, erläutert Ing. Wolfgang Hillinger MBA, der als Geschäftsführer von DS Automotion den Bereich Vertrieb und Marketing verantwortet. Die FTS-Installation im Volkswagenwerk Hannover war 1989 die Premiere für die von Voest Alpine Automotive als Mehrprozessorsystem entwickelte Fahrzeugsteuerung.
Bis Anfang der 1990er Jahre statteten die FTS-Spezialisten aus Linz zahlreiche Produktionslinien aller namhaften europäischen Automobilisten mit kundenspezifischen FTS-Anlagen aus. Dann kam der Siegeszug der FTS im Automobilbau plötzlich zum Stillstand. Europäische Autobauer orientierten sich an der japanischen Konkurrenz, die Autos sehr kostengünstig auf einer dedizierten Linie pro Modell fertigte. Diese Form der Lean Production kommt ohne die Flexibilität von FTS-Anlagen aus.

Neue Wege finden.

Wie alle FTS-Hersteller, musste auch die heutige DS Automotion in anderen Anwendungsgebieten neue Kunden suchen. Dabei hatte sie noch Glück. Ein Großauftrag über sechs FTS-Anlagen mit in Summe über 100 Fahrzeugen für die Lkw-Kabinenmontage bei Daimler sicherte in dieser schwierigen Umbruchphase weiterhin die mehrjährige Vollauslastung des FTS-Bereiches.

Inzwischen entwickelten die Linzer Fahrzeug- und Leitsteuerungen mit der Fähigkeit zur freien Navigation ohne Spurführung. Die erste solche FTS-Anlage ging an den Axel Springer Verlag in Hamburg. Das Unternehmen agierte zu dieser Zeit unter dem Dach der teilprivatisierten VA Tech AG als TMS (Transport- und Montagesysteme). „Die 25 Fahrzeuge transportieren die bis zu 1.250 kg schweren Printrollen von der Tiefdruckmaschine in ein Pufferlager und dann weiter zur Heftmaschine“, erklärt Hummenberger. „Der erfolgreichen Umsetzung dieser herausfordernden Intralogistikanlage verdanken wir zahlreiche weitere Aufträge im Bereich Druck und Papier, aber auch für andere innerbetriebliche Transportaufgaben.“

Der Ersatz des Hängefördersystems im Uni-Klinikum Köln durch ein frei navigierendes FTS stellte TMS 1997 vor neue Herausforderungen. „Angesichts der zahlreichen neuen Systemmerkmale und Schnittstellen bildeten wir erstmals den digitalen Zwilling der Anlage in einer Computersimulation nach“, führt Hillinger aus. „Obwohl es immer wieder zu bauseitigen Verzögerungen kam, schafften wir nach einer sich über mehrere Monate hinziehenden Inbetriebnahmephase die erfolgreiche Systemumstellung.

Erfolgreich in die Unabhängigkeit.

2001 übernahm der französische Baukonzern Vinci die TMS und gliederte den FTS-Bereich 2002 als das rechtlich eigenständige Tochterunternehmen TMS Automotion GmbH aus. Dieses bezog ein Jahr später sein nunmehriges Hauptgebäude. Seit 2008 trägt das Unternehmen den heutigen Namen DS (für Driverless Solutions) Automotion. Im selben Jahr erfolgte die Gründung der ersten Auslandstochter in Toulon.

Um kostengünstige Alternativen für einfachere innerbetriebliche Transportaufgaben anbieten zu können, adaptierte das Unternehmen ab 2010 handelsübliche Hubstapler für den fahrerlosen Betrieb und DS Automotion erweiterte seine globale Marktpräsenz. „Gemeinsam sind wir stärker“ lautet auch das Motiv hinter der 2018 gestarteten Kooperation mit SSI Schäfer. Der deutsche Lager- und Logistiksystemanbieter integriert FTS von DS Automotion in ganzheitliche Logistiklösungen. Das wird sich auch auf das Wachstum des österreichischen FTS-Spezialisten auswirken.