Trumpf: Mit KI die Wettbewerbsfähigkeit steigern

Trumpf-Digitalchef Mathias Kammüller

Der Trend hin zur Elektromobilität lässt auch beim Unternehmen Trumpf kräftig den Erfolg spüren. Denn bereits die Hälfte der Geschäfte mit Kunden aus dem Automobilbereich seien in diesem Segment zu verzeichnen.

Es hieß Ende März auf der Trumpf-Hausmesse Intech, die mit um die 4.000 Besucher ein weiterer Erfolg des Ditzinger Traditionsunternehmens war: „Viele Bauteile und Systeme, die in ein Elektro-Fahrzeug oder einen Hybrid verbaut werden, können nur mit Lasern hergestellt werden. Ein Beispiel seien hier Batteriezellen. Und auch im Leichtbau seien Laser nicht wegzudenken.“

Hingegen sei es beim Bereich Digitalisierung laut Trumpf-Digitalchef Mathias Kammüller leider der Fall, dass man den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden konnte. Weitreichende interne Schulungsprogramme würden derzeit alle betroffenen Mitarbeiter durchlaufen, um bei diesem entscheidenden Thema „up to date“ zu sein. Der Grund für das Defizit sei laut Kammüller der Aufwand. Hierbei sprach er nicht nur vom geeigneten Personal, das Unternehmen brauchen. Auch der Wille, die bestehenden Prozesse zu verändern, ist „von größter Entscheidung beim digitalen Wandel.“ Bei Trumpf beschäftigten sich in unterschiedlichen Abteilungen 40 Mitarbeiter in Vollzeit mit dem Thema Künstliche Intelligenz.

KI und nochmals KI

„Mit KI lässt sich aus den Daten unserer Maschinen neuer Nutzen für die Fertigung erzielen. Sie steigert die Leistung der vernetzten Produktion und damit die Wettbewerbsfähigkeit“, betonte Kammüller weiter während des Pressegesprächs. Das Unternehmen selber setzt die Technik unter anderem zur Qualitätssicherung bei der Herstellung von Laserflachbettmaschinen ein.

Um neue Marktsegmente im Digitalbereich zu erschließen, ergänzte Trumpf kürzlich zudem das Produktportfolio. Die von Philips erworbene Laserdiodensparte erweitert den Zugang zu stark wachsenden Märkten. Neben Lösungen für die vernetzte Industrie präsentierte das Unternehmen auf der Hausmesse auch Maschinen für den 3D-Druck. Sie kommen zunehmend in der Dental- und Medizintechnik, im Werkzeug- und Formenbau, der Luft- und Raumfahrt sowie im Maschinenbau zum Einsatz. „Additive Fertigungsverfahren sorgen für Innovation in der Produktion. Sie eignen sich wie kaum eine andere Technologie zum Herstellen komplexer Formen und kleiner Stückzahlen“, erklärte hierzu Peter Leibinger, Chief Technology Officer während der Intech.

Weiters betonte er: „Unsere Kunden sehen sich mit steigendem Kostendruck, Forderungen nach geringeren Stückzahlen und immer mehr Eilaufträgen konfrontiert. Der Einsatz digitaler und innovativer Fertigungstechnologien und -methoden mausert sich zum entscheidenden Kriterium, um im Hochlohnstandort Europa auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Es gelte, dem verschärften internationalen Wettbewerb auch künftig Rechnung zu tragen.

USA und China sind einen Schritt voraus

In den USA gäbe es in vielen Bereichen mehr gesellschaftliche Offenheit für neue Technologien, China treibe KI mit Nachdruck voran. „Damit Europa auch weiterhin eine industrielle Führungsrolle einnimmt ist es wichtiger denn je, dass die Politik länderübergreifend zusammenarbeitet. Wir müssen den Binnenmarkt vertiefen, um europäische Stärken zu stärken, die nötige Infrastruktur für digitale Geschäftsmodelle schaffen und Forschung und Innovation fördern – sonst geraten wir gegenüber China und den USA ins Hintertreffen“, mahnte Leibinger.

Abschließend hieß es: „Wir müssen die Chancen der Digitalisierung und neuer Fertigungstechnologien jetzt nutzen. Auch KMU sollten sich fragen, ob sie für die digital vernetzte Zukunft richtig aufgestellt sind und – falls nicht – jetzt den Wandel einleiten“, sagte Kammüller abschließend.