Markus Keller: Smart Cities mit Nebeneffekt Lebensqualität

Markus Keller ist SVP Smart City der Deutschen Telekom. Am 7. IoT Forum CE im Techgate Vienna, am 5. Juni 2019 hält er eine Keynote mit dem Titel "It’s not all about connectivity and it’s not all about technology".

„Wir sprechen von 5G, Glasfaser und IoT – unser Kunde von einer Herausforderung. Als Telekom ist für uns der klassische Ausgangspunkt die Technologie“, sagt Markus Keller, Senior Vice President Smart Cities der Deutschen Telekom.
„Wir sprechen von 5G, Glasfaser und IoT – unser Kunde von einer Herausforderung. Als Telekom ist für uns der klassische Ausgangspunkt die Technologie“, sagt Markus Keller, Senior Vice President Smart Cities der Deutschen Telekom.

Markus Keller, Senior Vice President Smart Cities der Deutschen Telekom, sieht viele Gegensatzpaare wenn es um Digitalisierung geht: ein offenes China gegen ein zurückhaltendes Deutschland, eine Manager-Generation der alten Schule gegen junge Wilde und ängstliche deutsche Kommunen gegen fortschrittliche finnische Städte.

IoT 4 Industry & Business: Der Titel Ihres Vortrages beim IoT Forum in Wien am 5. Juni lautet: „It’s not all about connectivity and it’s not all about technology“. Was meinen Sie damit?

Markus Keller: Als Telekom ist für uns der klassische Ausgangspunkt die Technologie. Wir sind so begeistert davon, dass wir immer über 5G, Glasfaser und IoT sprechen und sagen, wie toll das alles ist. Wenn wir dann beim Kunden sitzen, läuft das in den Gesprächen alles ganz anders. Die Kunden sagen: Ich habe ein Problem oder das ist eine Herausforderung, an dem würde ich gerne arbeiten. Und Sie kommen vom anderen Ende und sagen: es gibt jetzt Narrowband IoT und die Batterielaufzeit der Sensoren ist jetzt viel länger, als vor einem Jahr. Der Kunde braucht Methoden und Formate an denen er seinen Erfolg  festmachen kann.

IoT: Wie sehen die Konzepte der Deutschen Telekom im Bereich Smart City aus?

Keller: Wir sind da schon richtig lange dabei. Vor elf Jahren haben wir mit der T-City Friedrichshafen die erste Smart City Deutschlands, wenn nicht Europas, gebaut. Eine ganze Stadt, die wir uns angeschaut haben und dort über Jahre Lösungen verbaut haben und das in einer Zeit, in der es noch kein iPhone gab! Seit dem begleitet uns das Thema und wir sind bei EU-Projekten dabei. Wir betreuen die „Digitalstadt Darmstadt“ – das ist der Gewinner des Digital-Stadt-Wettbewerbes 2017 in Deutschland und sehen jetzt auch den Punkt, wo das für uns in Richtung Massenmarkt geht. Deshalb gründen wir jetzt eine eigene Geschäftseinheit zu diesem Thema, die am 1. April live gehen wird.

IoT: Worum ging es in Darmstadt?

Keller: In Darmstadt ging es um verschiedene Themen. Digitales Parken war ein Use Case. Wir haben dort z.B. ein 5G-Testfeld. Darmstadt liegt bei Frankfurt, ist eine Universitätsstadt mit einer der besten Technischen Hochschulen im Land. Nirgendwo in Deutschland leben mehr Menschen mit MINT-Abschlüssen (Anm. der Red.: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) als in Darmstadt. Sie haben da alles mögliche von Raumfahrt und Cybersecurity über die Software AG bis hin zur Deutschen Telekom. Jetzt gerade gibt es eine Ausschreibung zu einem Smart Layer-Konzept – das erste, das wir im deutschsprachigen Raum sehen. Die deutschsprachigen Länder sind sonst bei dem Thema Digitalisierung in der Massenmarktanwendung eher später dran.

IoT: Wie kann man anderen Städten oder Unternehmen die Angst vor der Digitalisierung nehmen?

Keller: Bei den Unternehmen ist gar nicht Angst das Thema. Denen geht es einfach im Großen und Ganzen gut und sie haben keine Notwendigkeit. Nehmen Sie den Maschinenbau. Dem geht es so gut wie nie. Warum sollen die jetzt anfangen mit dem ganzen Connecten, es ist ja auch furchtbar kompliziert.

IoT: Wo liegt dann die Sorge?

Keller: Die Angst liegt eher auf der Kommunenseite. Die sagen sich: ich setze da jetzt eine Initiative und dann gibt es Kritik aus der Bevölkerung. Ja klar, es gibt immer jemanden der dagegen ist. Aber man muss selber von den Vorteilen überzeugt sein und die auch konsistent gegenüber den Einwohnern kommunizieren.

IoT: Sie werden beim IoT-Forum auch über innovative Zugänge und Open-Mindedness sprechen. Wer braucht die?

Keller: Wir alle. Das ist die klassische Schere im Kopf. Wenn wir nach Asien schauen, jubelt jede Stadt, wenn ein neuer Use Case wie Verkehrssteuerung oder eine Echtzeit-Messung kommt. Das finden die Chinesen stark. Bei uns gibt es erst mal die großen Fragezeichen. In China gilt der Glaubenssatz, dass Digitalisierung viele Vorteile bietet und der wird nicht in Frage gestellt. Bei uns gilt: Mehr Technik ist nicht das, was ich will. Eigentlich will ich mehr Natur. Ich will zwar eine gute Versorgung, aber keinen Mobilfunkmast. Wie soll das gehen?

IoT: Was wäre Ihr Ideal von Smart City?

Keller: Wir glauben, dass es um zwei Dinge geht. Erstens geht es darum die Lebensqualität zu verbessern. Es gibt in Finnland Städte, deren Motto lautet: Wir geben unseren Bürgern Zeit zurück. Jeden Tag eine Stunde und daran messen sie ihren Erfolg. Das ist sicherlich ein Ansatz, der die Zustimmung der Bevölkerung findet. Das zweite sind Hebel für Wirtschaftswachstum und Prosperität. Es gibt Ansätze, die zeigen, dass die zu einer Dynamik führen, die im Durchschnitt ein um 13 % höheres Wachstum erzeugen, versus einer Kontrollgruppe, die einfach weitermacht wie bisher. Oft ist gar nicht die Verbesserung der Lebensverhältnisse das primäre Ziel, aber es ist ein Nebeneffekt, wenn man mit Daten arbeitet.