SAP | Ideen aus der Retorte

Dass Startups heute bereits eine entscheidende Rolle im Rahmen der Digitalisierung spielen ist längstens bekannt. SAP geht noch einen Schritt weiter. Das Ziel: SAP-Applikationen noch smarter zu gestalten und das Know-how zu bündeln – intern.

Digitalisierung ist Alltag und beginnt auch gerne schon bei der ersten Tasse Kaffee. Im SAP Data Space in Berlin konnte dies Anfang Dezember erprobt werden. Die schmucke Hauptstadtrepräsentanz ist die „neue“ Ideenschmiede SAPs. In einer nach eigenen Angaben „stimulierenden und innovativen Umgebung soll genetzwerkt, gemeinsam gearbeitet und gegessen werden“. Alle, die sich für digitale Transformation interessieren, sind willkommen.

Zu den kreativen Ergebnissen gehört etwa Ruum. Florian Frey und Stefan Ritter sind die Köpfe dahinter. Ihr Startup, entstanden aus dem SAP-hauseigenen Ideenschmiede-Programm, verspricht ein übersichtliches Projektmanagement-Tool für jedermann. Entstanden ist es aus eigenen schlechten Erfahrungen der beiden im Arbeitsalltag. Im täglichen Umgang mit Projekten stießen sie an Grenzen, eine Lösung musste her. Doch wie finanzieren? Da kam die SAP-Unterstützung beiden gelegen. Mit Ruum haben Nutzer Zugriff auf ein schlankes Projektmanagement-Tool mit benutzerfreundlichen Ansichten wie Einstiegsbereich, Arbeitsbereich und Zeitplan. User werden zudem durch einen digitalen Projektmanager namens Ada unterstützt, der für die Teammitglieder automatisch Aktivitäten nachverfolgt.

Berlin zieht.

Aus der SAP IoT-Startup Accelerator-Szene berichtete Ignatz Schatz in Berlin konkret vom Unternehmen Synfioo. Es handelt sich hierbei um ein kleines Team, das sich mit der Programmierung von Software befasst, die die Überwachung von intermodalen Transportketten in Echtzeit ermöglicht. Die Lösung lässt sich in bestehende SAP-Anwendungen eingliedern. In Zeiten der zunehmenden Digitalisierung und des Hochs im Bereich Logistik ein absolutes Highlight an Innovation. Dabei setzt Synfioo auf KI und selbstlernende Algorithmen.

Da die meisten Jungunternehmer an vielen Orten immer noch zu wenig Unterstützung erhalten, greift auch hier SAP unter die Arme. Ignatz Schatz ist Startup Engagement Manager bei SAP und unterstützt das Programm und die neuen Kollegen wo es geht:

„SAP hat ein riesiges Netzwerk und unzählige Kunden, hieraus entstehen neue Möglichkeiten, neue Geschäftsideen erfolgreich umzusetzen.”

Und die hippe Data Space-Location am Hackeschen Markt soll genau diese Freiheit und Kreativität in Deutschlands Hauptstadt fördern. „International sei die Szene“ – das Credo der Digitalisierung. Frei nach dem Motto: Jeder denkt mit jedem und alle gemeinsam finden wir eine Lösung.

„Den Bonus, den wir hier haben ist eindeutig der Standort Berlin“, betont Schatz weiter. Seiner Erfahrung nach und auch die vieler weiterer Anwesenden ist: „Berlin ziehe bei den Youngstern, die Ideen kämen dann schon.“ Soweit so gut. In einer zunehmend veganen, work-life-balanced und mobilen Endgerätenutzern-Welt fühlt man sich hier sicherlich wohl. Das eingangs erwähnte digitale Essensordern geht im SAP Data Kitchen beim Frühstück los, zieht sich über das Mittagessen hin und endet am Abend – alles Gault Millau, alles per App, denn die Abläufe im Restaurant sind digitalisiert. Man ordert per App, auch gern schon von unterwegs, bezahlt per Paypal, wie sonst, und holt sich dann das Ergebnis selber in der persönlich ausgeschriebenen Box ab – innovativ und ohne menschlichen Kontakt, halt modern.

Deepak Krishnamurthy, CSO SAP (re.), und Alexandra Gorman, Global Vice President des SAP.iO Fund, unterstützen aktiv den Weg SAPs und den seiner Startup-Schmiede.
Deepak Krishnamurthy, CSO SAP (re.), und Alexandra Gorman, Global Vice President des SAP.iO Fund, unterstützen aktiv den Weg SAPs und den seiner Startup-Schmiede.

SAP will mehr.

Ins Detail gingen dann Deepak Krishnamurthy, Chief Strategy Officer SAP, und Alexandra Gorman, Global Vice President des SAP.iO Fund und verantwortlich für earlystage startup investments. Beide betonten, wie entscheidend die gemeinsame Arbeit mit Startups für SAP ist. Als „ein Teil der SAP Firmenstrategie“ bezeichnete Krishnamurthy den Weg des Unternehmens. Und auch dadurch, dass die klugen Köpfe bereits aus dem SAP-Unternehmen stammen hätte man gewisse Vorteile. Neben Berlin gibt es weitere Startup-Schmieden der Walldorfer in den USA (San Francisco und New York) sowie Tel Aviv, Tokio und auch München sowie Paris.

In Berlin ziele man vor allem auf Themen wie Industrie 4.0, wahrscheinlich auch daher begründet, dass Deutschland hier eine Sonderrolle allgemein einnimmt und es Hauptstadt ist. Auch KI und ML seien laut Gorman Bereiche, in denen man verstärkt den Fokus lege.

Bühne frei.

Das Babylon Theater Berlin, nicht unweit vom SAP-Standort entfernt, stand am Abend des 5. Dezember schließlich den jungen Unternehme(r)n zur Verfügung um die Bühne für eine Präsentation ihrer kreativen Lösungen zu nutzen. Die SAP.iO Foundry Powered by Techstars Accelerator Demo Day 2018 begrüßte zu einer geschlossenen Veranstaltung zu Bionade und Popcorn und feierte alle zehn Startups, wie etwa BeeInstant. Ihr Ziel: Die AI-Monitoring Applikation soll den Betrieb von IT-Landschaften mittels ML und KI verbessern. Betriebskosten werden nach eigenen Angaben um bis zu 50 % gesenkt. Die Gründer sind Trung Nguyen und Phong Vu und stammen aus Irland.

Im Babylon Kino: Die zehn Startups im Rahmen der SAP.iO Foundry Powered by Techstars Accelerator Demo Day 2018 Anfang Dezember.

Aus dem indischen Tech-Place schlechthin – Bangalore – stammt Recotap. Bargava Supramanian und Ganesh Chithambalam sind stolz auf ihre entwickelte Plattform für Account Based Marketing. Man bedient sich hierbei ebenfalls der KI und ordnet sowie analysiert Content. Die Absicht: personalisierte Bild-, Text- und Videoanzeigen sollen Webshopverkäufe antreiben. Aus London mit dabei war Axiom, die sich intensiv mit der Prozessautomation via AI auseinandersetzen. Yaseer Sheriff, Simon Williams und Alex Barlow entwickelten die browser-basierte Plattform. Diesen und anderen Startups wurde nun die Chance offeriert, mit SAP-Experten ihre Lösungen auszubauen.

Noch einmal Essen.

Am Tag darauf wurde auf einen ganz besonderen SAP-Erfolg hingewiesen. Delivery Hero, den Menschen bekannt, die sich gerne ihre Speisen nach Hause oder ins Büro liefern lassen, stand mit Laurie Jittoo in Person im Fokus. Niklas Östberg ist Gründer der Lieferkette, die einen wahren Boom in den vergangenen Jahren erlebt hat. Zum Imperium gehören Lieferheld, Foodora und pizza.de. Der Kunde bestellt via Plattform, das Restaurant liefert, Delivery Hero erhält Vermittlungsgebühr. Ein Konzept, das inzwischen in mehr als 40 Ländern bestens läuft, Tendenz steigend. So sei es naheliegend, erklärte Jittoo, dass man das komplexe System hinter dem Lieferservice mit Hilfe von SAP bedient.

Welche weiteren den neuen Zeiten angemessenen Überraschungen und Ideen uns alle erwarten, bleibt abzuwarten. SAP, so lässt sich feststellen, hat seit sehr langer Zeit schon die Nase vorn. Ob sich jedoch in allen Ländern das Essen aus der Box durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.